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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Künstler erzählt Geschichte neu

10.08.2019

Wilhelmshaven Unter dem Titel „Götzendämmerung“ zeigt der vielseitige Künstler Moritz Götze in der Kunsthalle Wilhelmshaven Werke, die auf die Stadt und die deutsche Geschichte bezogen sind.

1964 in Halle/Saale geboren, wurde Götze zu DDR-Zeiten als Tischler ausgebildet, gründete eine Grafikwerkstatt, trat als Gitarrist und Sänger auf und erhielt nach der Wende an der Hochschule Burg Giebichenstein einen Lehrauftrag für Serigraphie. Ein Lehrauftrag an der Pariser École Nationale Supérieure des Beaux Arts schloss sich an.

Doch der Künstler wurde sich zunehmend bewusst, dass er im ehemaligen Preußen lebt, und machte sich dessen Geschichte zu eigen, vor allem über die Historienmalerei des 19. Jahrhunderts.

Im riesigen Arsenal dieser Geschichte hat Moritz Götze, den Oldenburgern durch Ausstellungen der Galerie „kun­stück“ kein Unbekannter, nun die kleine Abteilung Wilhelmshaven geöffnet und in der Kunsthalle mit Bildern auf Leinwand und Emaille dokumentiert.

Hinzu kommen Plattencover für Schallplatten mit Texten aus „des Knaben Wunderhorn“ sowie Radierungen und zahlreiche ähnliche, in der Form durchweg eigenständige Mädchenfiguren, die ihre Beziehungen zur Marine in sich tragen.

Das ist Moritz Götzes Arbeitsweise: Er kopiert den Aufbau eines Ritter-Bildes von Dürer oder von Gemälden von Anton von Werner, die das nationale Geschichtsbild geprägt haben. Er hält sich dabei an die Komposition. Doch neben den tragenden Figuren ergeben sich vor allem im Fußbodenbereich Räume, die er mit anachronistischen Details füllt. In von Werners Bild „Etappenquartier“ aus dem Krieg 1870/71 ist der Fußboden bedeckt mit Maschinenpistolen, Pizzakartons, Popcorn-Beuteln, Comic-Heften. Auf einem Tisch steht ein Computer.

Die Aura des historischen Gemäldes wird von den Dingen moderner Banalität verdrängt. Da der Künstler in einem Kubus auch sein „Arbeitszimmer“ als Installation vorführt, wird die Lust am Chaos verständlich, die menschliche Alternative zur preußischen Ordnung. Es sieht ähnlich chaotisch aus, wenn auch angepasst an den Lebensstil eines Künstlers, der diesen Raum mit einem Bewegungsmelder ausgestattet hat, der einen kleinen Filmapparat in Bewegung setzt, wodurch laufende Bilder von Alt-Berlin auf eine Minileinwand projiziert werden.

Moritz Götzes Umgang mit der Historie, von der er sehr viel weiß, ist nicht aggressiv, sondern spielerisch, was die durchweg helle und leichte Farbigkeit, die stets deutliche Zeichnung und nicht zuletzt das wie selbstverständliche Zusammenfließen verschiedener Epochen bewirken.

Deutsche Geschichte wird in seinem Arbeiten zur „German Soap“, zu auf Emaille gemalten Suppendosen. Sie haben neben dem Titel häufig eine Abbildung historischer Personen: vom Kaiser, von Tirpitz, von Autoren wie „T. Mann“, Nietzsche, Novalis und Künstlern wie Otto Naber und „Ratzewill“.

Deutsche und nicht zuletzt preußische Geschichte ist heute vom modernen Alltag weit abgerückt – für die Augenblicke der Bildbetrachtung lässt Moritz Götze sie wieder näher kommen. Er nennt das „Götzendämmerung“.

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