Wilhelmshaven - Steht ein Mönch am Meer – ein Motiv der Romantik von Caspar David Friedrich. Norbert Schwontkowski hat das Thema 1996 aufgenommen. Aber er kippt den Mönch nach hinten. Rote Flecken lassen Schlimmes vermuten.

Die Bilder des Bremer Malers sind skizzenhafte Erzählungen von meist alltäglichen Begebenheiten, die alle den unaufgeregten und sachlich scheinenden Blick des Autors spiegeln. Er wurde 1949 in Bremen geboren, erhielt seine Schulausbildung aber in einem rheinischen Internat, kehrt vor dem Abitur nach Bremen zurück.

Nach einer Schaufenstergestaltungs-Lehre studierte er an der Hochschule für Gestaltung in der Hansestadt. Er nahm teil am Bremer Kunstleben, bis eine Berliner Galerie auf ihn aufmerksam wurde. Unerwartet stellte sich Erfolg ein. 2005 erhielt er eine Professur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die Zahl auswärtiger Ausstellungen nahm zu. Schwontkowski blieb aber ein Bremer Künstler. 2013 starb er nach schwerer Krankheit.

Die Kunsthalle Wilhelmshaven zeigt von ihm nun 40 Gemälde aus der Privatsammlung Dr. Josef Lindenberger (Frankfurt) aus der Zeit zwischen 1985 und 2012. Unter den Bildern befinden sich viele großformatige Werke, denen der Künstler oft keinen Titel gegeben hat, auch wohl, weil zum Beispiel die Darstellung 2006 von Bohrtürmen, zusammengerückt in der oberen Bildhälfte, und langen Rohrleitungen im Vordergrund auf einem grauen Grund bereits alles aussagen: Öl frisst Landschaft.

Dieses Werk gehört noch zu den wenigen, in denen der Raum einigermaßen klar definiert wird. Meist hat der Maler die Leinwand zunächst mit einer Farbmischung bestrichen, um einen empfindungsstarken Ausdruck als Fundament für sein Motiv zu finden. Er hat diese Schicht als Stimmungsfeld bezeichnet.

Wie schon beim Mönch „Am Meer“ können die Motive durchaus einen zeichenhaften Charakter gewinnen, in denen sich Schwontkowski gegen einen Meinungstrend wendet: Der Wertschätzung der abstrakten Kunst scheint er mit dem Sturz einer sich abwendenden Person mit einem Hammelkopf vor einem abstrakten Bild im Jahr 2008 zu begegnen.

Die Heimweh-Romantik fasst er in das Bild einer Person, die von einem Gummizug zu ihrem Haus zurückgezogen wird. Die Sentimentalität verschließt die weite Welt. Dass das Leben wie eine „Achterbahn“ sei, war ein geflügeltes Wort. Schwontkowski malt auf einem riesigen Feld mit leichter Hand eine unendliche Schleife als Gerüst: Unendlichkeit heißt „Dem Tod ins Gesicht lachen“.