Wilhelmshaven - Das Urteil der Jury war streng: 23 Künstlerinnen und Künstler dürfen bis zum 24. Februar die Arbeiten zeigen, die sie für den Wettbewerb um den Preis der Nordwestkunst in der Kunsthalle Wilhelmshaven eingereicht haben. Was die Ausstellungsbesucher zu sehen bekommen, ist verblüffend und manchmal auch provozierend.
So zeigen die schönen farbkräftigen Fotografien von Kathrin Delhougne, wie durch Übertreibung der gute Geschmack der Buntheit ausgeliefert wird. Andererseits sind bei der Installation von Jonas Hohnke die Farben der 20 ordentlich in Reih und Glied gehängten Handtücher das einzig Reizvolle, sie bedecken eine Betonwand.
Leinwandbilder mit geometrischen Kompositionen von Tobias Maring beschränken sich auf schwarz-grau-weiße Abstufungen und haben es schwer, zu bestehen gegen Farbaggressionen und Installationen alltäglicher, gewöhnlich schon in den Keller verbannte Bretter, Koffer, Rollwagen von Ariane Holz oder gegen die robuste Malerei von „Baustellen“ von Dirk Behrens mit ihren kräftigen Strukturen. Brigitte Schultens Bild „Zauberstab“, das einzige Werk aus der Region, kann sich daneben sehen lassen.
Diesen relativ großen Malereien stehen mehrere Ensembles von kleinen Zeichnungen gegenüber, Landschaftsmotive von Christina Stolz aus Farblinien, von Franziska Nast verschiedene Tuschen auf alukaschiertem Polystyrol. Die einfachste Form bietet Marcello Ragone an, der mit dem Kugelschreiber auf einer Seite Worte wie „Urlaub“ oder „Hammer“ geordnet wiederholt. Dem entspricht sein „Leck“-Bild, gemalt mit der Zunge auf der Wand. Das war der Jury eine Belobigung wert.
Gemessen daran ist das Bild „Mutter“ von Ulrich Wilhelm Röpke komplex, sind die mehrschichtigen Collagen von Greta Magyar sogar spannend. Diese Arbeiten verweisen auf den Kern der Ausstellung, denn sie sind aus unterschiedlichen Kunststoff-Materialien zusammengesetzt.
Das Thema Kunststoffe im Kunstwerk wird von mehreren Künstlerinnen und Künstlern angeschnitten: Liu Zhiyi nennt seine lange Bahn aus Collagen mit Computerzahlen, Plakat- und Xuan-Papier sowie Mengen an doppelseitigem Klebeband „Die mehrdeutige Grenze“. Nico Pachali formt mit Klebeband, Permanentmarker, Zeichnungen und Fotokopien „Bodies“, Streifen auf dem Fußboden, und erhielt dafür auch eine Belobigung. Und schließlich hat Liza Diekwisch eine Hälfte des geteilten Kunstpreises für ein Gehänge aus Silikon, Latex, Acrylfarben und PVC-Folie erhalten. Die andere Hälfte erhielt David Rauer zusammen mit Samuel Treidl für Installationen außerhalb der Kunsthalle, mit denen sie auf Denkmäler aufmerksam machen.
