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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Klassik: Den Hörern keinen Bären aufgebunden

21.09.2020

Wilhelmshaven Der Gedanke, dass Edvard Grieg ein Fall fürs Altenheim der Musik sein könnte, ist nicht unbedingt abwegig. Die „Peer-Gynt“- Suiten, die Norwegischen Melodien, „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ – so’n Bart, so was von abgelebt!

Wirklich? Solche Nachrede lässt das Norwegische Kammerorchester 1B1 beim Auftritt in Wilhelmshaven nicht auf den Nationalkomponisten kommen. Schnipp, setzt es Schere und Rasiermesser an den Bart. Schnapp, entsteht eine Musik, die überaus jung und belebend wirkt.

Damit gelingt trefflich der Einstieg in die neue Konzertsaison an der Jade. Noch sechs Sinfoniekonzerte und einen Soloabend gibt es bis Mai 2021. Thomas Albert, der Intendant des Musikfestes Bremen, hat erneut das Programm zusammengestellt. Er versprüht bei allen Einschränkungen Optimismus. Als den „großen Wumms“ will er es nicht gleich anpreisen, doch „allen einen ordentlichen Rumms“ verspricht er.

Nichts Verkopftes

Die Methode, mit der die jungen Musikerinnen und Musiker aus Stavanger in der Stadthalle zu Werke gehen, ist einleuchtend. Die bis auf die tiefen Streicher im Stehen spielende Formation gräbt in Griegs Konstruktionen und Melodien nicht nach Hinter- und Untergründigem. Nichts wird bei 1B1 verkopft. Es entsteht das, was man eingängigen nordischen Volkston nennt, frisch, ehrlich, sensibel abgestuft. Die beglückten Hörer bekommen keinen skandinavischen Bären aufgebunden.

Oberflächlich gerät nichts. Das Klavierkonzert a-Moll op. 16, die bezaubernd altertümelnde Streicher-Suite „Aus Holbergs Zeit“ oder die erste „Peer-Gynt“-Suite, alles ist blitzblank geputzt, dabei trotzdem aufregend angeraut im Klang, stimmungsvoll gerade im Leisen (langsamer Satz des Konzerts etwa, oder Ases Tod).

Feinnervig und kernig

1B1 tritt in den großsinfonischen Werken mit reduzierter Bläserbesetzung an. Unter der Leitung seines Gründers Jan Björanger klingt es damit ebenso feinnervig wie kernig. Die Streicherwerke führt er dabei von der Violine aus an. Das macht die Holberg-Suite zum Höhepunkt.

Pianistin Kiveli Dörken passt sich prächtig in den Gesamtrahmen ein. Griegs Musik kommt bei ihr nicht aus dem Salon, sondern direkt aus dem Leben. Sie driftet nie in Richtung Liszt oder Chopin. Mit ihrer Fingerkraft bleibt sie den rustikalen Teilen und vor allem der aufschäumenden Kadenz des ersten Satzes nichts schuldig. Mit einnehmender Nachdenklichkeit spürt sie den feineren Passagen nach. Da lässt sie sich gern in Träume sinken. Die behält sie souverän unter Kontrolle, hütet sich aber, sich ihnen einfach hinzugeben. Da kann ihr faszinierendes Spiel manchmal etwas neutral wirken.

Muss man bei Grieg versuchen, seiner herb-lyrischen Musik neue Seiten abzutrotzen? Keineswegs! Man darf sie auf kurzem Weg zu sich kommen lassen. In die neue Saison war das ein wunderschöner Einstieg.

Acht Konzerteumfasst die Klassik-Saison 2020/21 in der Stadthalle Wilhelmshaven. Vorerst ist die Platzzahl begrenzt, die meisten Plätze sind durch Abonnenten belegt. Restliche Einzelkarten über info@wilhelmshaven-touristik.de oder 04421- 92790. Alle Termine unter:

22. Oktober: Nationale Philharmonie Prag; Werke von Tschaikowski, Prokofjew

26. November: Jenaer Philharmonie; Mozart Klarinettenkonzert KV 622; Beethoven 3. Sinfonie, Eroica

19. Dezember: Freiburger Barockorchester; u.a. Weihnachtliche Musik


     www.sinfoniekonzerte-wilhelmshaven.de 
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