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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Konzert: Mit dem Abrissbagger gegen einen Walzer

26.10.2020

Wilhelmshaven Welt- und gesellschaftsfremd ist diese Methode nicht: Da baut jemand etwas kunstvoll auf – und reißt es anschließend lustvoll ein. Soll vorkommen, nicht einmal selten.

Die Pianistin Anna Vinnitskaya (37) demonstriert das bei ihrem Auftritt in der Wilhelmshavener Stadthalle beim traditionellen Solistenkonzert im Rahmen der Sinfoniekonzert-Reihe. Die Russin ist fast holterdipolter für den erkrankten Alexander Lonquich eingesprungen. Der wiederum war eigentlich als Ersatz für das verhinderte Prager Kammerorchester vorgesehen gewesen. Es ist die Wendung, die nach erstem Durchatmen 420 zugelassene Hörer begeistert.

Die intimen „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel stellt Vinnitskaya gegen dessen Reißer „La Valse“. Die zerbrechlichen Charaktere der acht Wälzerchen arbeitet sie fast tüftelig heraus, ohne ihnen je den feinen Esprit des bedeutsam Unbedeutsamen auszutreiben. Doch dann fährt sie mit dem Abrissbagger vor. Fast schon sensationell ist ihre manuelle Kraft in dieser herausfordernden Solofassung von „La Valse“ anstelle der üblichen für zwei Klaviere.

Da mag an Deutlichkeit der Strukturen ein bisschen auf der Strecke bleiben. Aber wie sie den ausgedienten Walzer zum Untergang einer Epoche zerfetzt, wie sie ins Inferno überkippt, das bestürzt und fasziniert zugleich.

Langer Atem

In Robert Schumanns erster Sonate fis-Moll op. 11 erweist sich die Pianistin als Gestalterin von höchstem Rang. Sie meißelt die Gegensätze, hinter denen sich das gespaltene Ich des Komponisten verbirgt, plastisch heraus, ohne je zu überspielen.

Für die langen Strecken voller Ereignisse besitzt sie einen langen Atem und den Blick in enorme Weiten. Damit führt sie auch das sich dehnende Finale ohne Leerlauf spannungsreich zum Ziel.

Zwei Zugaben

Selbst die manchmal etwas widerstandslos perlenden Läufe im Legato wirken nie glatt. Außerdem an diesem Abend: Schumanns Arabeske C-Dur, Chopins Fantasie-Impromptu cis-Moll und zwei Zugaben.

In alle Begeisterung mischt sich ein Hauch Wehmut. Lonquich hätte in seinem Programm Beethovens Diabelli-Variationen und Schuberts Sonate B-Dur D 960 geführt – zwei der größten Werke der Musik an einem Abend. Das lässt sich nicht ersetzen.

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