WILHELMSHAVEN - Es sind die dunkel gefärbten, gutturalen Laute, die der spanischen Sprache exotisches Flair verleihen. Eine spezifische, herbe Klangnote in der Sprachmelodie, die das Orquesta Nacional de Espana offensichtlich in seiner Art, Musik zu spielen, übernommen hat.
Einmal ganz von der Begeisterung und dem überschäumenden Temperament abgesehen, mit dem zum Abschluss des 8. Sinfoniekonzertes in der Wilhelmshavener Stadthalle die Folklore des eigenen Landes als Zugabe intoniert wurde. An so viel nationales Pathos und Hingabe reichen allenfalls russische Orchester heran. Das Ende ist stets purer Klangrausch – so wie jetzt beim Gastkonzert des Orquesta Nacional de Espana. Das Konzert war ein Auf und Ab großer Gefühle.
Zwei Klaviere
Astor Piazzolla, mittlerweile ein Klassiker geworden, lieferte die Vorlage für den Auftakt des Konzertes. Sein „Tangazo“ beginnt zur Siesta-Zeit, was die Bässe vortrefflich vermittelten, und nimmt schließlich enorm Fahrt auf. Piazzollas raffinierte Melodik gehörte zu den klanglichen Höhepunkten des Konzertes.
Bei Juan Albert Amargos „Paisajes Sonoros de Espana“, einem Konzert für zwei Klaviere, das von Katia und Marielle Labèque souverän gestaltet wurde, konnte der furiose Orchesterauftakt durchaus als Kampfansage an das Schwesternpaar aus Frankreich um die Klangvorherrschaft verstanden werden. Das nachfolgende musikalische Gefecht, bei dem es keinen Sieger gab, war perkussiv und von knallharten Läufen dominiert und vermittelte u. a. die Botschaft, dass dem mediterranen Licht eine immense Strahlkraft zu eigen ist.
Von Josep Pons, dem Chef der Spanier, kann gesagt werden, dass er ein äußerst versierter Dirigent mit einer präzisen Schlagtechnik ist, die ihm half, sein Orchester sicher durch Debussys Iberia Suite Nr. 2 zu steuern, wobei die „Parfüme der Nacht“ im Mittelsatz so herb waren wie es der Duft der Maja-Seife ist. Und als „Ravels“ Bolero nach knapp 16 Minuten mit einem gewaltigen Klang-Orkan beendet wurde, war das Publikum restlos begeistert, bekam zwei Zugaben, die jeweils lauthals mit „Bravo“ bewertet wurden.
Nächste Saison
Eines weiß man schon jetzt: Die neue Saison dürfte nicht so klangtrunken ausgehen wie die jetzige. Denn das Münchner Kammerorchester wird am 1. Mai 2011 sein Programm mit Schuberts 5. Sinfonie beenden. Den Auftakt machen am 1. September Frans Brüggen und das Orchester des 18. Jahrhunderts mit Beethoven.
Weitere Höhepunkte sind unter anderen der Trompeter Giuliano Sommerhalder mit dem Zürcher Kammerorchester und die Academy of St. Martin in the Fields.
