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Aktualisiert vor 33 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Von den Heimsuchungen der Leistungsgesellschaft

09.04.2018

Wilhelmshaven Was passiert, wenn man nicht mehr reinpasst? Intensiv und anspruchsvoll beschäftigt sich das neue Stück der Landesbühne mit dieser gesellschaftskritischen Fragestellung. Das Stück „In einem dichten Birkenwald, Nebel“ feierte am Sonnabend eine gelungene Premiere im Stadttheater Wilhelmshaven, an die sich die 400 Zuschauer wohl noch lange erinnern werden.

Das Stück von Henriette Dushe beleuchtet, wie die Leistungsgesellschaft mit Stress, Depression und Andersartigkeit umgeht. Auch Größenwahn und Egozentrik ziehen sich durch das Stück.

Im Fokus stehen vier Handlungsstränge. Drei Männer erzählen zu Beginn, wie ihr Leben aus den Fugen geriet und treffen kurz danach im Birkenwald auf drei Frauen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven an eine gemeinsame Biografie erinnern.

Nicht nur wird das Thema Stress angesprochen, es wird in der Inszenierung von Sascha Bunge auch fühlbar gemacht. So müssen sich Zuschauer manchmal auf sechs Schauspieler konzen­trieren, die gleichzeitig unterschiedlich agieren.

Höchste Aufmerksamkeit fordert das Stück durchgehend von den Zuschauern ein. Denn die tiefgründigen Textpassagen lassen sich nicht nur auf das Schauspiel, sondern auf das echte Leben übertragen. Es werden Thesen aufgestellt, wie „Entweder man weiß, wofür man lebt, oder alles ist Blödsinn“ und „Denn nur wer will, der kann“, mit denen sich wohl jeder schonmal befasst hat.

Auch die Wichtigkeit der Arbeit in der deutschen Gesellschaft wird herausgestellt. So wird angenommen, dass doch nur ein arbeitender Mensch glücklich werden kann. Eine Lösung für das Verhalten der Männer ist daher die körperliche Arbeit beim Zersägen und Zerhacken von Birken, die im Verlauf des Stücks das Bühnenbild klarer werden lassen.

Im Bezug auf Syndrome wie Burn-out wird die nie stillstehende Leistungsgesellschaft angeklagt: „Die Welt wird vom Stumpfsinn aufgefressen.“ Und dass dieser Stumpfsinn nie aufhören kann, solange sich die Gesellschaft rasend schnell bewegt, scheint ganz klar zu sein.

Insbesondere Claudia Kraus, die die „alte“ Perspektive der Frauen spielt, macht die Verzweiflung von Menschen mit Depressionen intensiv und stark deutlich, so dass keiner wegschauen kann. Doch genau das wird angeklagt: Die Gesellschaft will, dass „Heimsuchungen“ standhaft ertragen werden.

Das Stück von Henriette Dushe hält den Zuschauern einen extremen Spiegel vor und ruft dazu auf, beweglicher zu werden – im Herzen und im Verstand. Aufrüttelnd und bewegend sprach das Stück das Publikum an, doch auch humoristische Einwürfe kamen nicht zu kurz. Ein hoch aktuelles, aber schwieriges Thema, dass die Zuschauer nach Ende der Vorstellung weiter beschäftigte.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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