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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Blech und Schlagzeug auf schön kernige Art

08.12.2017

Wilhelmshaven Für den „Boléro” von Maurice Ravel gibt es drei Varianten. Die Schnelle: so um zwölf Minuten herum. Da kann man zwischendurch SMS tippen, man verpasst nichts. Das Werk ist dann Salonmusik und einfach hinüber. Die Mittlere: assai, sehr gemäßigt im Tempo. Die Klangfarben wirken intensiv, das Riesen-Crescendo packt mit Sogkraft zu.

Die Langsame: moderato sehr, sehr assai, bis 18 Minuten gedehnt. Das wird ein gefährlicher Psychotrip.

In der Stadthalle Wilhelmshaven entscheidet sich Dirigent Philip van Buren mit seiner Französischen Kammerphilharmonie für Variante zweieinhalb. Er disponiert dynamisch überlegen, rhythmisch straff aber nicht eisern. Das lässt dem „Boléro” eine gewisse entspannte Freundlichkeit. Doch nach dem kurzen Umschwung zu E-Dur ist eine suggestive Spannung aufgebaut, die in den Absturz führt.

Der orchestrale Reißer von 1928 steht am Ende des 4. Sinfoniekonzerts. Er fasst die Vorzüge des erst 2014 gegründeten Orchesters fürs gesamte Programm zusammen. Die Streicher schaffen ein gerade betörend schönes Pianissimo. Das Holz besticht mit Klangfarben und Virtuosität, die bis zur Piccoloflöte hin wunderbar ausgefeilt sind. Blech und Schlagzeug bleiben kernig und wahren Klarheit.

Raffinement und Delikatesse zeichnen so die anderen Reißer aus wie Jacques Offenbachs Ouvertüren zur „Schönen Helena” und „Orpheus in der Unterwelt“ oder George Bizets erste Carmen-Suite. Die Franzosen spielen geistvoll dezent. In ansteckender Spielfreude schleudern sie im Cancan bei Orpheus ihre Celli und Kontrabässe in handfesten Pirouetten herum.

Trotz allem Schwung aber noch einmal Ravel. Lise de la Salle gibt in ihrem Klavierkonzert G-Dur den chamäleonartigen Farbwechseln und den rhythmischen und gesanglichen Finessen ein persönliches Profil. Deftiges wird bei ihr nie vulgär. Wie sie im Adagio im rhythmischen Gegeneinander der Hände genau jene kleine Unschärfe erreicht, ohne je unsauber zu werden, demonstriert fast unauffällig ihre höchste Klasse.

Ravel soll ja Ideen zum Konzert bei einer Bahnfahrt erhalten haben. Jagt da nicht im ersten Satz ein Zug über Schienenstöße? Die Pianistin malt die Passage mit viel Fantasie aus. Vielleicht reist ja auch Frau de la Salle gern mit der Bahn.

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