WILHELMSHAVEN - WILHELMSHAVEN - Die Brandenburger Symphoniker, für die ursprünglich vorgesehenen und inzwischen aufgelösten Berliner Symphoniker zu Gast, setzten den Schlusspunkt der internationalen Konzerte in Wilhelmshaven.
Michael Helmrath, Generalmusikdirektor seit 2003, hat das Orchester fest in der Hand. Er leitet es mit eleganten und relativ sparsamen und genauen Bewegungen. Die Interpretationen wirken genau einstudiert, ohne dass die in gewissen Grenzen immer sympathisch spürbare Lebendigkeit der Perfektion geopfert würde.
Weicher und schlanker, niemals zur Verschwommenheit neigender Klang und konstruktive Klarheit sind im allgemeinen gut ausgewogen. Der Musizierstil des ausgeglichenen und gut eingespielten Orchesters ist frei von Allüren, frisch, natürlich und einfach – aber von der Kehrseite aus betrachtet, manchmal ein wenig fantasiearm.
So war in Beethovens 3. Leonoren-Ouvertüre die Verbindung von rein musikalischer und szenisch-dramatischer Großform nicht immer getroffen: eine eher statische Darstellung, die die Binnendynamik und den dramatischen Impuls etwas zu kurz kommen ließ.
Amir Katz (32), der israelische Pianist, spielte Beethovens 1. Klavierkonzert C-Dur wunderbar klar, exakt, kraftvoll, mit ebenso viel Schwung wie Disziplin: ein eleganter Techniker und intelligenter, sensibler und geschmackvoller Musiker, der durch Reife und Entschiedenheit der persönlichen Auffassung für sich einnahm, dabei sich nie in den Vordergrund spielte. Voll blühender Gelöstheit die Schubert-Zugabe: das Ges-Dur-Impromptu op. 90/3.
Viel Sorgfalt waltete bei der Orchesterbegleitung wie auch bei Schumanns „Frühlingssymphonie“ Nr. 1 B-Dur. Dem Vorurteil, Schumanns Orchestersatz sei „zu dick“, trat das Orchester mit präziser Zeichnung entgegen. Ob sich das Werk hier wirklich als eine romantische Hymne auf das Erwachen des Lebens ausnahm, „in feuriger Stunde geboren“, wie Schumann notierte, steht freilich dahin. Liebenswürdig, doch etwas behäbig: Strauß’ Pizzicato-Polka.
