Wilhelmshaven - Es war ein versöhnlicher Schlusspunkt eines relativ kurzen Sinfoniekonzertes: Als Zugabe spielten die Bremer Philharmoniker das Adagietto aus der 1. L’Arlesienne-Suite von Georges Bizet mit Hingabe, klanglicher Delikatesse – und auch der nötigen Zurückhaltung, was die Dynamik anbelangt. Das war beglückend und schön anzuhören.
Nicht ganz so feinfühlig ging das Orchester aus Bremen unter der Leitung von Marko Letonja am Sonntag in der Wilhelmshavener Stadthalle mit der 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven um, die nach der Pause gespielt wurde. Auch das Doppelkonzert von Brahms, mit dem das Konzert eröffnet wurde, war nicht der Gipfel der Feinfühligkeit. Dem sensiblen Spiel der gut harmonierenden Solisten, der Geigerin Nicola Benedetti und des Cellisten Leonard Elschenbroich, setzten die Bremer Philharmoniker eine robustere Spielweise entgegen, die nicht das Niveau erreichte, das die Solisten vorgaben.
Benedetti und Elschenbroich ergänzten sich – die Geigerin mit silbrig-schlankem Ton, der Cellist mit sonorer Cellostimme – prächtig und erreichten im tänzerischen Schlusssatz, dem Vivace non troppo eine schwebende Leichtigkeit, die in einer furiosen Stretta endete.
Leider waren, zumindest in den hinteren Reihen, nicht immer alle Ausführungen der Solisten deutlich zu hören. Eine Spezialität des Doppelkonzertes ist, dass manche Solostellen von Orchesterstimmen gedoppelt werden. Nicht alle Orchestermusiker, die das betraf, waren sich aber der Verantwortung gegenüber den Solisten bewusst, diesen, wenn nicht den Vortritt, bei den Doppelungen zumindest Gleichberechtigung zuzubilligen. Darunter hatte vor allem die Geigerin zu leiden, deren Spiel mehrmals von den Partnern im Orchester zugedeckt wurde.
Dass die Bremer Philharmoniker durchaus in der Lage sind, auch bei leisen Pianostellen zu punkten, bewiesen sie bei der „Schicksalssinfonie“ von Beethoven. Letonja setzte auf eine große dynamische Spannbreite. Das war vom Ansatz her richtig.
Noch mehr Effekt hätten die Musiker erzielt, wenn nicht nur die Differenzierung in der Lautstärke, sondern auch die Balance der einzelnen Stimmen etwas feinfühliger ausgeführt worden wäre. Auffällig war das Engagement der Musiker, bei Fortissimostellen alles zu geben, was das Instrument herzugeben in der Lage ist. Sie spielten sich förmlich in einen Fortissimo-Rausch. Leider mit dem Effekt einer geballten Klangstruktur, aus der einzelne Stimmgruppen nicht mehr kenntlich waren.
Das war eigentlich das Manko dieses Konzerts. Klassik-Feinschmecker dürften deshalb an diesem Abend nur bedingt auf ihre Kosten gekommen sein.
