WILHELMSHAVEN - Es wird getanzt und gekreischt, gekatzbuckelt, gekichert und geheult, verlegen gestottert und mit vollem Mund gesprochen. Und natürlich wird im Stadttheater Wilhelmshaven auch gesungen: Das Musical, das 1964 in New York Premiere feierte und Ende des 19. Jahrhunderts in den USA spielt, bietet eingängige Walzernummern im Wechsel mit ruhigeren, nachdenklicheren Solostücken.
Bei „Hello, Dolly“ geht es um die Sehnsucht nach Liebe und die Suche nach Glück. Zahlreiche Verwicklungen enden schließlich im Happy End mit vier verliebten Paaren. Zu verdanken ist das der Heiratsvermittlerin Dolly Levi. Sie behält im ganzen Durcheinander den Überblick und die Fäden fest in der Hand.
Dolly ist die Strippenzieherin, die wie eine geschäftstüchtige Mary Poppins mit ihrem Regenschirm – bei ihr gleicht er einem Zauberstab – die Menschen um sie herum lenkt. Die hier eine Liebe anbahnt, da ein Treffen zu zweit arrangiert, dort die Weichen für eine Beziehung stellt. Sogar dem kaltherzigen, streitsüchtigen Geizhals Horace Vandergelder (überzeugend: Johannes Simons) verdreht sie den Kopf, obwohl der eigentlich ein „Frauchen“ sucht, das den Haushalt führt, Schnee schippt und den Müll rausbringt.
Die ebenso abgebrühte wie charmante Dolly Levi ist – wie der Titel schon andeutet – nicht nur der Mittelpunkt des Stückes, sondern auch dessen Motor. Konsequenterweise hat sich Regisseur Olaf Strieb für diese tragende Rolle mit Melanie Haupt einen schauspielerisch und gesanglich perfekten Gast ins Haus geholt. Bei Melanie Haupt überzeugen Mimik, Gestik und Stimme. Ob komische Grimassen, übertriebene Bewegungen, dreckige Lache oder mal kraftvolle, mal nachdenkliche Gesangseinlagen – sie reißt das ganze Ensemble und das Publikum mit. Verena Karg als Hutladenbesitzerin Irene Molloy und Schwester im Geiste kann aber mit ihr mithalten. Generell überzeugen die weiblichen Mitglieder der Landesbühne Nord hier mehr als ihre männlichen Kollegen, die zum Teil stimmlich und schauspielerisch etwas blass bleiben.
Das Bühnenbild von Diana Pähler ist so einfach wie geschickt. Aus den beiden Seiten der halbrunden, schmiedeeisernen Balustrade, auf der die fünf kostümierten Musiker einen guten Platz gefunden haben, lassen sich mit einem Dreh ein Separee, ein Hutladen oder eine Parkbank hervorzaubern.
Insgesamt haben es Strieb und sein Team geschafft, eine sehr unterhaltsame zweieinhalbstündige Aufführung des Musicals von Michael Stewart und Jerry Herman auf die Bühne zu bringen. Neben der Hauptdarstellerin ernten Choreografien – etwa der Tanz der Kellner – ebenso Szenenapplaus wie kleine Details – so der Wiener Dialekt des Oberkellners Rudolph. Zum Schluss gibt es einige Zugaben, weil das gut gelaunte Publikum im ausverkauften Saal nicht mehr aufhören will zu klatschen.
Karten: 04421/94 01 15
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