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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Teufelspakt als burleskes Singspiel

19.11.2018

Wilhelmshaven Gäbe es ein Kartellamt gegen den wettbewerbsbestimmenden Zusammenschluss kreativer Geister, wäre 1990 ein Einschreiten geboten gewesen. Vor über 28 Jahren wurde „The Black Rider: The Casting of the Magic Bullets“ erstmals aufgeführt, das vielbeachtete Musiktheaterstück des US-amerikanischen Regisseurs Robert Wilson, des Komponisten Tom Waits und des Autors William S. Burroughs. Mehr ging damals kaum, heutzutage würde solch ein Ereignis als „Mega-Event“ gefeiert.

Starke Überzeichnung

Das Hamburger Thalia Theater stemmte damals unter großem Hallo und Geschrei die Erstaufführung. Dass es ein paar Nummern kleiner funktioniert, zeigen seither die unterschiedlichen Inszenierungen. Am Samstagabend feierte die Adaption der Volkssage des Freischütz im Stadttheater Wilhelmshaven Premiere.

Üppig und burlesk ging es zu, auf der Bühne und in der Handlung, die Theaterintendant Olaf Strieb als Regisseur und Herbert Buckmiller in der Ausstattung verantworteten. Die Handlung, an der sich auch Carl Maria von Webers (1786–1826) Oper „Der Freischütz“ orientierte, folgt einem klassischen Thema. Die Musik wurde von Tom Waits komponiert und erschien als gleichnamiges Album „The Black Rider“ im Jahr 1993.

In der Tradition der Commedia dell’arte diente diese Inszenierung weniger dem Text, sondern vielmehr dem Ensemble. Die starke Überzeichnung des Schreibers Wilhelm erinnert an den Hanswurst der Volksbühnen. Im Vordergrund stand hier mehr die szenische Wirkung als die Vertiefung des Inhalts. Es ging auch nicht um die Vermittlung von Werten oder Belehrungen, sondern kam auch mal platt und vulgär daher.

Romantische Geschichte

Erst spät gelangt man in dieser Inszenierung des „Black Rider“ in das Freischütz-Märchen von Freikugelguss und Probeschuss. Die romantische Waldgeschichte wird zum Seelenverkauf. Im dunklen Wald kommt es zum Pakt zwischen Wilhelm (Philipp Buder) und dem diabolischen Stelzfuß, glänzend gespielt von Bas Timmers. Dieser bietet ihm spezielle Kugeln an, mit denen jeder treffen kann. Es ist eine der intensiveren Szenen. Am Ende kommt es zum Showdown: „My bullets aren’t for free“. Der Probeschuss ums Kätchen trifft daneben und damit genau in ihr Herz.

Voll in Ohr und Seele trafen die sechs Musiker der Live-Band „The Simple Simon’s Sexually Syncopating Symphonic Satanic Sinners“ unter Leitung von Simon Kasper. Ausgestattet mit solistischer Brillanz, gelang es, ein wunderbares Klangbild zu präsentieren. So wirkte der Revuecharakter der einzelnen Ohrwürmer der erfolgreichen Vorlage weniger aufgesetzt.

Die allgemeine Kritik der frühen Jahre, mit dem „Black Rider“ von 1990 habe Robert Wilson seine Seele an das Entertainment verkauft, nimmt Regisseur Olaf Strieb auf, in dem er die einzelnen Charaktere verstärkt und damit kommentiert.

Das ist in einer ebenso ungewöhnlichen wie bemerkenswerten Qualität gelungen.

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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