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Premiere Vom Scheitern an der Wirklichkeit

Norbert Czyz

WILHELMSHAVEN - „Vorstadtlegende in sieben Bildern“ nennt Ferenc Molnár sein 1907 geschriebenes Stück „Liliom“. Es beschreibt im realistischen Teil den Versuch eines von sich überzeugten jungen Mannes (überwiegend souverän: Axel Julius Fündeling), der Liebe wegen sein Leben zu verändern. Statt weiter der halbseidene Liebhaber einer Schaustellerin (lasziv: Julia Blechinger) zu sein, mutet sich Liliom die Rolle des keuschen Ehemannes und künftigen Vaters zu.

Überfälliges Stück

An dieser Herausforderung scheitert er, weil er die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt. Er hat keinen Beruf gelernt, mit der er die Familie gut ernähren könnte, und für die ihm angebotene Hausmeisterstelle ist er sich zu schade. Es ist schwer zu verstehen, dass die Premiere des Stücks zum Spielzeitauftakt die Erstaufführung an der Landesbühne ist. Obwohl schon 100 Jahre alt, die Geschichte, die uns Molnár erzählt, ist brandaktuell: Junge Leute, die aus Überforderung an der Realität scheitern, ausrasten, ihre Frau schlagen und in Süchte oder in die Kriminalität abdriften, davon sind die Rapporte der Polizei voll. Also: Das Stück war überfällig.

Intendant Gerhard Hess hat es im Bühnenbild von Cornelia Brey als Theaterstück auf dem Theater inszeniert. Wenn der Vorhang aufgeht, fällt der Blick auf einen Guckkasten. Und gespielt wird das Stück nicht von der Landesbühne, sondern von den Schauspielern einer Theatertruppe. Ob als Vorstadtbühne oder Wanderbühne konzipiert, plakative Bilder sind dominant, was durch Molnárs Personenauswahl unterstützt wird. Der ernsthaft sittsamen Julie (Anna Rausch), die sich in Liliom verliebt hat, steht deren naive, auf Äußerlichkeiten fixierte Freundin Mari (quirlig: Amélie Miloy) gegenüber. Lilioms Pendant ist einerseits der biedere Dienstmann Hugo (Aom Flury), den sich Mari zum Karrieristen zurechtschneidert; andererseits auch der Gauner Ficsur (überzeugend Cino Djavid), ein abgekochter Bursche ohne Skrupel, der – zunächst clownesk geschminkt – im Verlaufe des Stückes sein wahres Gesicht offenbart: er schminkt sich auf offener Bühne ab.

Freundlich aufgenommen

Es ist eine der subtileren Szenen, in denen das Spiel ohne Worte hilft, die Personen besser kennen zu lernen. Ansonsten dominieren Dialoge und kräftige Affekte. Schnell ist Liliom, der mit Julies Hang zur Emanzipation und zum Widerspruch nicht umgehen kann, auf 180. Oft vielleicht auch zu schnell – und manchmal im Widerspruch zum Text.

Im kitschig-rührseligen Teil nach der Pause, als Liliom die Gelegenheit gegeben wird, nach 16 Jahren noch einmal auf die Erde zu kommen und seine Tochter (Wibke Quast) kennen zu lernen, hat die Inszenierung ihre größten Stärken. Eben weil es Hess gelingt, das irreal Kitschige auf das Unvermeidbare zu reduzieren und Molnárs Intention glaubhaft zu machen, dass es für Lilioms Tochter eine bessere Zukunft geben kann. Das Publikum, in der Pause noch irritiert, hat die Premiere letztlich sehr freundlich aufgenommen.

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