• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bösewicht wird in Wilhelmshaven weichgespült

28.01.2019

Wilhelmshaven Wenn man Weiß nicht als Farbe betrachtet, dann ist diese Bühne ein farbloser, halbhoher Kasten, nach vorn, also zum Publikum, offen. Diese langweilige Tatsache stellt selbst der Hauptdarsteller Stefan Faupel fest, der Richard III. spielt. Es ist kurz vor der Pause, und der muntere Faupel hüpft mal aus seiner Rolle und holt unter Lachern einen Mann aus dem Publikum auf die Bühne, um mit ihm über das langweilige Weiß zu beraten.

Das geschieht in kumpelhafter Manier und mit kräftiger Selbstironie und ist hier der Erwähnung wert, weil es sonst so wenig von dieser Inszenierung in der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven zu erwähnen gibt.

Auf dem Programm steht „Richard III.“. Aber schon der Hinweis „Nach Shakespeare von Peter Verhelst“ hätte stutzig machen müssen. Der Flame nimmt William Shakespeare als Material, gewissermaßen als Textfabrik, die sich anreichern lässt.

Wo es Eintrittskarten gibt

Karten für das Drama „Richard III.“ von Peter Verhelst nach William Shakespeare in der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven: Telefon   04421/94 01 15

Alle Ð-Kritiken unter www.nwzonline.de/premieren

Eigentlich erzählt „Richard III.“ die Geschichte eines missgebildeten britischen Adligen, der, weil er nicht geliebt wird, mit dem festen Berufswunsch Bösewicht loslegt und weder Verwandte, Freunde noch Bekannte schont. Köpfe werden so lange abgeschlagen, bis der üble Kerl auf dem Thron sitzt. Naja, jedenfalls eine Weile, bis ihm in der Schlacht („Ein Königreich für ein Pferd“) der Garaus gemacht wird.

In Wilhelmshaven hat Faupel als Richard III. eine Dschingis-Khan-Erinnerungsfrisur. Gern singt er zwischendurch ein Liedchen. Die Handlung stolpert dahin, man sagt so witzige Sachen wie „Ein Königreich für ein Taschentuch“, trinkt ein Gläschen Milch zwischendurch, trägt weiße Gewänder mit schwarzen Gurten, und Richards Handlanger, einer der „Treue“ (prima: Timon Ballenberger) heißt, spielt schon mal eine Art Conférencier.

Am Anfang und Ende klagt Richards Mutter bitterlich über den missratenen Sohn. „The Power Of Love“ dudelt irgendwann, ein abgeschlagener Kopf wird geküsst, die Rede ist schon mal im Shakespeare-Stück von Flugzeugen, OP-Tischen und Bulldozern. Pistolen kommen mit ordentlich Knall zum Einsatz.

Das bunte Stück spült den steinharten Richard und damit den wilden Shakespeare-Text weich. Das Drama zerfällt in einzelne Aktionen, Anbiederungen ans Publikum, Musik sowie ernste und alberne Szenen. Ein Ganzes wird daraus nicht, denn die Regie von Sascha Bunge ist keine richtige Regie, sondern ein Mischmasch. Und wenn nichts mehr geht, singt man ein Liedchen. Wunderbar haucht Faupel „Mad World“ in Mikro. Es darf auch Techno sein mit Rampengehampel.

Nein, die durchweg guten Schauspieler, allen voran Stefan Faupel als König, können den Abend nicht retten gegen das altbackene Regietheater von Bunge. „Die Marter nimmt kein Ende“, heißt es einmal.

Das stimmt nicht. Denn nach zweieinhalb Stunden ist tatsächlich Schluss.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.