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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wenn Plattencover zu Ikonen werden

20.03.2019

Wilhelmshaven Ein gläserner Briefbeschwerer kann Rockgeschichte schreiben. Zum Beispiel, wenn er auf dem Tisch im Haus von Aubrey Powell liegt und an einem schönen Sommertag das Sonnenlicht durchs Fenster fällt...

1973 arbeiteten Pink Floyd gerade an ihrem Konzeptalbum „Dark side of the moon“, eine Platte, die später millionenfach verkauft und ein Rock-Monolith wurde. Grafik-Designer und Fotograf Aubrey Powell, der wie die Musiker aus Cambridge kommt und der für Pink Floyd nahezu sämtliche Plattencover entworfen hatte, sollte auch das Cover für ihr achtes Album gestalten. „Ich will aber nicht so einen surrealen und durchgeknallten Scheiß“, hatte Pink- Floyd-Keyboarder Richard Wright damals verlangt, erzählt die Designer-Legende Aubrey Powell jetzt bei einem Besuch in Wilhelmshaven.

400 Cover entworfen

Dort im Küstenmuseum ist noch bis Ende April die Sonderausstellung „Daring to dream – Hipgnosis“ zu sehen. Es geht um Schallplattenverpackungskunst aus dem Hause Hipgnosis – das von Aubrey Powell und seinem 2013 verstorbenen Partner Storm Thorgerson gegründete Grafikdesign-Studio hat seit den späten 1960er Jahren und bis in die 80er Jahre hinein die Cover für rund 400 Vinylalben kreiert. Darunter für Bands wie Led Zeppelin, fast alles von Pink Floyd, Paul McCartney und Wings, 10CC, Yes, Genesis, Peter Gabriel, Black Sabbath, The Alan Parsons Project, AC/DC und viele mehr. Wer eine einigermaßen gut sortierte Rock- und Pop-Plattensammlung sein eigen nennt, hat Hipgnosis im heimischen Plattenregal stehen.

Generationen von Rockmusikern und Plattensammlern waren von diesen meist surrealistischen Bildern beeindruckt, besonders Fotodesigner wurden von Powell und Thorgerson beeinflusst.

Die Ausstellung, die über einen Kontakt von Wilhelmshavens Tourismusmanager Michael Diers während der Hipgnosis-Ausstellung in Berlin zustande kam, zeigt noch ein bisschen mehr, als legendäre LP-Cover im Großformat: Es gibt Entwürfe, Skizzen, Band-Fotos. Viel bisher unveröffentlichtes Material, einiges davon ist überhaupt zum ersten Mal in Deutschland zu sehen, sagt Powell. Darunter Porträts vom jugendlichen, spindeldürren Mick Jagger und seinem Partner Keith Richards oder ein Plakat für ein TV-Projekt über die Beatles, das dann doch nie realisiert wurde.

Ein Lieblingscover hat Aubrey Powell nicht. „Das sind alle meine Babys“, sagt der Brite. Oft hat er Plattenhüllen kreiert, ohne zuvor auch nur einen Ton des neuen Albums gehört zu haben. Peter Gabriel ist so ein Kunde. „Ich will aufs Frontcover, aber ich will nicht aussehen wie ein Popstar“, hatte der frühere Sänger von Genesis und bis heute erfolgreiche Solokünstler gefordert. So entstanden kunstvolle Coverporträts mit zerfließenden Gesichtern, hinter verregnetem Glas oder mit kratzenden Händen.

Jimmy Page von Led Zeppelin ließ Powell und Thorgerson freie künstlerische Hand: „Der rief eines Tages bei mir an, sagte: Ich hab gesehen, du hast für Wishbone Ash gearbeitet. Kannst Du das Cover für unser neues Album machen?“, erzählt Powell die Cover-Entstehung des 1973 veröffentlichten Albums „Houses of the holy“. „Und krieg’ ich vorher was zu hören? Irgendeinen Song?“, hakte Aubrey Powell nach. „Nein“, antwortete Jimmy Page. „Mach’ einfach was, was mich umhaut. Du hast drei Wochen. Du weißt ja, wie meine Band klingt.“ Ja, das wussten Powell und Thorgerson. Sie fanden Inspiration in einem Science Fiction-Roman und ließen für das Covershooting eine in Silber und Gold geschminkte nackte Familie über eine mystische, sonnenüberflutete Fels-Formation klettern.

Schwierige Kundschaft

„Rockstars sind manchmal ein bisschen schwierig“, sagt Powell und lacht. „Paul McCartney war der Meinung, auch bei der Covergestaltung alles besser machen zu können als wir.“ Mit den Ideen zu „Band on the run“ und „Venus and Mars“ haben Thorgerson und er McCartney überzeugt.

Plattenhüllen waren damals die einzige Möglichkeit für Bands, mit ihren Fans zu kommunizieren – und umgekehrt, sagt Powell. Am meisten Spaß machte ihm der Auftrag für Gatefold-Cover. „Die großen aufklappbaren LP-Hüllen sind wie eine Leinwand für uns.“ Dann kam Anfang der 80er die CD und die Hüllen wurden kleiner, und die Coverkunst unbedeutender. Hipgnosis trennten sich, Powell wandte sich den Musikvideos zu. Mit dem Streaming ist diese Kunstform nahezu völlig bedeutungslos geworden. Der Großteil der Musik allerdings auch. Mit dem Vinyl-Boom ist sie wieder da.

Aktuell arbeitet Aubrey Powell wieder einmal für Pink Floyd. „Kein neues Album, sondern ein aufwendiges Boxset ihrer gesammelten Werke“, verrät die inzwischen 72-jährige Rocklegende, die kein Instrument spielt und nie einen Song schrieb, aber für das Image der größten Bands der Welt prägend war. Im November soll die Edition erhältlich sein. Ideen für das Cover hat er schon.

Meist kommt der Geistesblitz urplötzlich. So wie 1973, als für „Dark side of the moon“ ein Sonnenstrahl durch sein Fenster auf den Briefbeschwerer auf dem Tisch fiel, das Licht brach und sich in schillernde Regenbogenfarben zerlegte. Den Briefbeschwerer hat Aubrey Powell heute noch.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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