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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bunte Truppe sorgt für einen schrägen Abend

04.03.2019

Wilhelmshaven Jetzt kommt ein billiger Witz: In dem Stück „Auerhaus“ gibt es viel Aua. Das geht schon sprachlich los. Die Jugendlichen in der WG können kein Englisch. Aus „Our House“, dem Hit der Band Madness, wird bei denen „Auerhaus“. Das Drama nach dem Roman von Bov Bjerg erzählt in der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven nun ziemlich wild von dieser nicht ganz gewöhnlichen Wohngemeinschaft. Die ist 1982 in der ländlichen Provinz angesiedelt.

Frieder und seine Freunde dürfen als Schüler ein Haus bewohnen – doch glücklich sind sie nicht. Der im Gesicht kalkweiße Frieder (Jeffrey von Laun) ist suizidgefährdet. Gut, dass Kumpels um ihn sind. Höppner (Robert Zimmermann) tappt auf die Bühne. Sein Aua? Nicht nur der hübsch-hässliche Parka. Höppner zaudert viel. Er spielt gern den Erzähler, drückt sich vor der Bundeswehrmusterung und liebt unglücklich Vera. Diese Vera ist relativ normal. Sieht man von ihrer Kleptomanie ab. Josephine Nahrstedt mimt einen Augenstern. Die Blondine hüpft hübsch voll Jungmädchenschwung auf der Bühne herum. Vera denkt, Höppner will nicht mit ihr ins Bett. Prompt geht sie, dezent hinten auf der Bühne, mit dem auf Lebenserfahrung machenden Elektrikerlehrling und schwulen Kiffer Harry (Philipp Buder) in die Kiste. Es ist eine Kiste ohne Kiste: Harry wedelt mit einem geschätzt Viermeter-Penis aus angemalter Pappe in der Ferne. Und Vera liegt sittsam leicht bekleidet irgendwo auf dem Boden rum.

Die gruftige Pauline wird dagegen von Linda Ghandour als coole Socke und begeisterte Brandstifterin gespielt. Sie zündelt schon mal hübsch Feuer aus der Hand wie im Zirkus. Bogatzki, ein älterer Herr und rollenmäßig Mädchen für alles (in putzigsten Klamotten: Christoph Sommer), komplettiert die Runde. Die Truppe raucht gute Sachen, ärgert die Polizei in Verfolgungsjagden (herrlich: das Polizeiauto aus Pappe) und füllt gut quasselnd eindreiviertel pausenlose Stunden.

Regisseur Albrecht Hirche hat auch die unbestimmte Sperrholzbühne und die Kostüme der 80er-Jahre entworfen. Wer von ihm eine gut sortierte, chronologische Geschichte erwartet, sollte Toleranz aufbringen, denn es geht verstrickt zu. Die Zeit im Auerhaus entsteht nach und nach im Rückblick. Für das eigentliche Haus gibt es eine wie im Kindergarten bemalte hölzerne Andeutung in der Mitte der Bühne.

Ein schräger, unruhiger Abend mit zu wenig 80er-Jahre-Musik? Ja, gewiss. Der Abend schrammt an der Parodie. Er hat einige Längen und Witz nur in Maßen. Er ist aber in sich schlüssig. Und seltsam: „Auerhaus“ macht, wenn man einen Draht zu dem Stück findet, sogar gute Laune.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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