WILHELMSHAVEN - So sehr George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ in Konzertsälen Erfolge feiert, so sehr bleibt es für europäische Orchester ein Problemstück. Es fordert von den Musikern ein anderes musikalisches Idiom, als sie das von Brahms, Beethoven und anderen Klassikern gewohnt sind.
Dass Marco Letonja, der Gastdirigent der Bremer Philharmoniker, beim 7. Konzert in der Wilhelmshavener Stadthalle bemüht war, den Auftakt mit jenem Werk von Gershwin mit einer gewissen Lockerheit, wenn nicht gar Hemdsärmeligkeit anzugehen, war offensichtlich. Diese Einstellung ist nicht falsch, darf aber nicht dazu führen, dass jedes Register munter drauflos musiziert.
Die Folge war, dass man vor lauter Noten die einzelnen Elemente des Werkes nicht mehr deutlich genug auseinanderhalten konnte. Mehr gab es am Auftritt der Bremer aber auch nicht zu bekritteln. Noch vor der Pause lieferten Sabine Meyer und das Orchester bei der Rhapsodie für Klarinette und Orchester von Debussy ein schönes Beispiel für subtiles Musizieren. Gerade weil die Ex-Soloklarinettistin der Berliner Philharmoniker die gedeckten Töne des Soloparts hintergründig anlegte, ergab sich ein überzeugendes Amalgam von Orchester und Soloinstrument mit schönen Übergängen.
Bei „Scaramouche“ für Klarinette und Orchester von Darius Milhaud war das genau anders. Da durfte das Orchester staunen über Meyers mit grellen Klangfarben gespicktes Solo, ein Schelmenstück eben – das aber im langsamen, von Orchester und Solistin schön ausmusizierten zweiten Teil auch sehr poetisch war.
Dass die Bremer Philharmoniker nicht nur über einen homogenen Streicherapparat verfügen, sondern auch brillante Holz-und Blechbläser in ihren Reihen haben, wurde bei Debussys „Prélude ` l apres-midi dun Faune“ recht deutlich. Indes: So lasziv sich der Faun in der Nachmittagssonne auch rekelte – am Solo der Flöte gemessen –, der Aufführung fehlte etwas die erotische Grundessenz, für die der Faun in der Fabelwelt steht.
Der Schluss des Konzertes hätte nicht überzeugender ausfallen können. Bei Paul Dukas plastischer Umsetzung des „Zauberlehrlings“ von Goethe befeuerte Letonja die Bremer zur Höchstleistung und vermochte auch bei den szenischen Einschnitten die Spannung zu halten. Mit der fulminant gespielten „Farandole“ aus Bizets LArlesienne-Suite Nr. 2 bedankte sich das Orchester für den begeisterten Applaus.
