WILHELMSHAVEN - WILHELMSHAVEN - Tuch aus grob gewirkten Nadelstreifen, wo immer sich ein Boss (oder einer, der es werden will) darunter verbirgt. Mal sind die Streifen schmal, mal breiter. Eine Anspielung auf Dienstgrade in der Gaunerszene – oder auf Sträflingskleidung?

Nadelstreifen auch am Rahmen der großen Tafel, um die sich Reinhardt Frieses Inszenierung der „Dreigroschenoper“ im Wilhelmshavener Stadttheater buchstäblich dreht und über der das Orchester thront (musikalische Leitung: Erich Radke).

Doch damit ist das Maß an subtilen Anspielungen auf gesellschaftliche Hierarchien erschöpft. Auch wenn die Landesbühne im Programmheft betont, Brecht und Weill sei es „vor allem“ um „Vergnügen, Ironie und eine fetzige Musik“ gegangen – es ging Brecht und Weill eben auch um Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, augenzwinkernd, versteht sich. Doch das setzt voraus, dass sich Reinhardt Friese auf einen Spielstil einlässt, in dem Ironie einen Platz hat. Das ist nicht der Fall, und so ist es selbst um den Unterhaltungswert der Inszenierung schlecht bestellt.

Friese scheint zusammen mit Bühnenbildnerin Diana Pähler darauf fixiert, Nebenschauplätze zu belegen. Und weil das Stück den Anspruch hat, Unterhaltung preisgünstig („Drei-Groschen-Oper“ eben) anzubieten und parallel zum Inhalt auch das Zielpublikum von Opern auf den Kopf stellt, wird aus der Inszenierung ein billiger Jakob.

Die nüchterne Ausstattung, in der nur die Huren etwas Farbe ins schwarz-weiße Spiel bringen, wird mit Comedy angereichert. Wo kein Kleiderhaken ist, da wird schnell einer an die Tafel gemalt. Oder ein Fenster aufgemalt, wo eines fehlt, um daraus rufen zu können. So wird die Kreide zum dominierenden Hilfsmittel der Regie. Und weil sich diese Methode irgendwann erschöpft, werden die darstellerischen Mittel immer drastischer. Aber: Wie soll in der Eifersuchtsszene Lucy gegen Polly glaubhaft mit Florett und ironischem Zungenschlag kämpfen, wenn sie vorher gerade das Comedy-Schwert geschwungen hat? Es ist, als habe Friese in diesem Moment die „Dreigroschenoper“ endgültig kastriert.

Blass bleiben die Songs, weil sie in dieser schrillen Inszenierung nichts Besonderes und die Texte wegen des lauten Orchesters unverständlich sind. – Kräftiger Beifall.

Karten: 04421/94 01 14