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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wilhelmshavener Maler Rainer Fetting Im Porträt: Von der Nordsee in die Welt und wieder zurück

07.08.2020

Wilhelmshaven Womöglich lag es am Ort, an seiner Heimatstadt Wilhelmshaven, an der Ruhe der Kunsthalle, an einer Art Altersmilde gar, dass Rainer Fetting auf einmal ganz bei sich war. Gerade war der 70-jährige Maler aus Amsterdam zurückgekehrt, zufrieden darüber, dass eines seiner Werke im Kontext des Van Gogh Museums zu sehen ist, und er war zugleich erstaunt darüber, wie sich die bedeutenden Museen als moderne Ausstellungsplattform verändert haben.

Dass Fetting nach vielen Jahrzehnten seines Schaffens endlich die verdiente Resonanz erfährt, erfüllt ihn mit leisem Stolz. „Langsam trete ich nach vorn“, sagt Fetting, allerdings eher zurückhaltend als im Brustton der Überzeugung. Derzeit kann er sich weder über die Deutung seiner Bilder noch die Bedeutung seines Gesamtwerkes beklagen. Er zählt zu den wichtigsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Parallel ist ihm die große Sonderausstellung „Here are the lemons“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf gewidmet. In Wilhelmshaven sind derzeit einige raumgreifende Arbeiten in der Sommerausstellung „Waterscapes“ zu sehen.

Offene Situation

In seinen „Wasser(land)- schaften“, mal bedrohlich dargestellt als große dunkelgrün-schwarze Monsterwelle, mal mit Containerschiff am Ende einer Fahrrinne, spiegeln gleichermaßen Ursprung und Spätwerk. „Es hat mich immer schon ans Wasser gezogen. Das hängt sicher mit meiner Herkunft zusammen. Hier fand ich diese offene Situation, die ich in der Enge der Großstädte vermisste“, schildert Fetting. „Auch während meiner Zeit in New York habe ich am Hudson River und am East River diese Zuflucht gefunden.“

Später ließen es die künstlerischen und finanziellen Umstände zu, sich auf Sylt ein Atelier einzurichten. „Ich konnte von Berlin-Tempelhof mit einer kleinen Maschine direkt an die Nordsee fliegen. Das war sehr praktisch.“

Naturgewalt und Idyll

Was Fetting dort sah und erlebte, bewegten ihn und sein Werk. Die Naturgewalt des Meeres entwickelten für ihn einen großen Reiz und lieferten zahllose Motive. Dramatische Wetterszenen oder liebliches Strandidyll wechseln an der Nordsee gleichzeitig mit Sonne, Wind und Regen.

Da er nun im achten Lebensjahrzehnt steht, muss die Rückschau zwangsläufig umfänglicher ausfallen als der Blick in die Zukunft. Rainer Fetting hat das Figürliche ebenso ins Szene gesetzt wie das Porträt. Landschaften oder seine Mauerbilder aus Berlin und Stadtszenen aus New York stehen den maritimen Augenblicken gegenüber.

„Es ging mir niemals nur um schöne Malerei. Ich wollte auch politisch sein“, sagt Fetting. In Berlin als Zufluchtsort vor Bundeswehr und Spießigkeit konnte er als „Junger Wilder“, in der Künstlergemeinschaft der „Moritzboys“, als homosexueller Mensch, aus sich heraustreten und so die ganze Energie in seine Werke lenken.

Rainer Fetting scheint mit sich im Reinen: „Wenn ich an gewissen Tagen an einsamen Stränden in die unendlich scheinende Nordsee schaue, dann denke ich manchmal, wie bedeutungslos und klein der Mensch ist.“

Rainer Fetting,geboren am 31. Dezember 1949 in Wilhelmshaven, ist einer der wichtigsten deutscher Maler und Bildhauer der Gegenwart. Er war Ende der 70er Jahre Mitbegründer der Galerie am Moritzplatz in Berlin, einer Selbsthilfegalerie, die unter dem Begriff „Junge Wilde“ oder auch „Moritzboys“ bekannt wurden. Protagonisten waren Salomé, Bernd Zimmer und Helmut Middendorf. Neben farbstarken Gemälden aller Gattungen hat Fetting ein umfangreiches bildhauerisches Werk vor allem in Bronze geschaffen. Die 3,40 Meter hohe und über 500 Kilogramm schwere Willy-Brandt-Statue im Atrium des Berliner Willy-Brandt-Hauses.

Wasserbilder von Rainer Fetting, David Borgmann, Thomas Hartmann, Katrin Roeber und Astrid Schröder sind bis 27. September in der Ausstellung „Waterscapes“ in der Kunsthalle Wilhelmshaven zu sehen. Info:


     kunsthalle-wilhelmshaven.de 
Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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