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Theater Wilhelmshavener landen Volltreffer beim Publikum

Klaus Turmann

Nordenham - Der Hollywood-Film von Blake Edwards mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle machte das Stück „Frühstück bei Tiffany“ weltberühmt. Dem Autoren des Textes, Truman Capote, gefiel die Verfilmung nicht. An der Inszenierung der Landesbühne, die mit dem Stück am Sonnabend in der Stadthalle Friedeburg zu Gast war, hätte der Schriftsteller vermutlich seine Freude gehabt. Regisseurin Anne Spaeter inszenierte die Fassung von Richard Greenberg in Capotes Sinne.

Imposantes Bühnenbild

Ihre Freude an dem Stück hatten auch die Besucher in der Friedeburg. Allein das imposante Bühnenbild beeindruckte durch die Atmosphäre, die es schuf, ebenso wie durch die metarealistischen Spielmöglichkeiten, die weidlich ausgenutzt wurden. Wie schon bei Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ treten Figuren für kurze Zeit aus der Handlung und werden zu Erzählern, können Figuren gleichsam durch Wände treten oder in Bühnenelementen verschwinden und ebenso unvermutet – auch an anderem Ort wieder auftreten.

Im Erdgeschoss liegt so Joe Bells Bar gleich neben der Einraumwohnung des Erzählers und Schriftstellers Fred. Eine Treppe und eine Leiter führen ins Obergeschoss, wo Holly Golightly Partys feiert und – gelegentlich – wohnt.

In und vor dieser Kulisse agieren neun Schauspieler in 18 Rollen. Sie lassen das New York der 40er-Jahre aufleben. Musik (Swingjazz oder Country), Kleidung, Lebensgewohnheiten (es wird ständig geraucht und Alkohol getrunken) und Attitüden entstammen der Zeit, in der Truman Capote als mittelloser Schriftsteller dort lebte. Fred (Robert Lang), der so heißt, weil die Hauptfigur Holly Golightly (Sarah Horak), seine Obermieterin, sich an ihren kriegsdienstleistenden Bruder Fred erinnert fühlte, ist Capotes alter ego.

Ein Foto aus dem Jahre 1956, das Fred von Barmann Joe (Sven Brormann) gezeigt wird, lässt die Erinnerung an Holly wieder aufleben. Beide, Fred und Joe, waren damals in Holly verliebt, wie so viele andere. Sie lebte von dem Geld, das wohlhabende ältere Herren ihr gaben, ließ sich in gewisser Weise kaufen, ohne aber ihre Unabhängigkeit wirklich aufgeben zu wollen. Das Angebot einer Filmrolle durch den Produzenten O.J. Berman (Christoph Sommer) lehnt sie ab. Sie träumt von dem Ort, an dem sie glücklich ist und sich wirklich zu Hause fühlt, dem Ort, der ihre Ängste vertreibt, wie es in New York derzeit nur das Juweliergeschäft Tiffany’s kann.

Hinter der Oberfläche aus Partys und Spaß verbirgt sich Hollys Geschichte, die sich Fred, ihrem neuen Freund, erst langsam erschließt. Als halb verhungerte Waisenkinder waren sie und ihr Bruder einst in das Haus von Doc Golightly (Helmut Rühl) gelangt, wo die erst 14-jährige Holly zur geliebten Stiefmutter von dessen Kindern wurde. Dieser Rolle entfloh sie in die Stadt, doch ihre Flucht endet nicht hier.

Durch ihre Leichtfertigkeit gerät Holly ins Kreuzfeuer von Ermittlungen gegen einen Mafiaboss. Wohin ihre letzte Flucht sie führt hat, kann Fred auch 1956 nicht mehr ergründen.

Überzeugendes Spiel

„Frühstück bei Tiffany“ in der Version der Landesbühne ist ein Treffer für Theaterfans: engagierte Akteure (neben den genannten: Aida-Ira El-Eslambouty, Emanuel Jessel, Vasilios Zavrakis und Ben Knop), kluge Dialoge, bei denen es oft um Erzählungen und die dahinterstehende Wahrheit geht, temperamentvolles und überzeugendes Spiel, tolle Musik und Tanzeinlagen und eine (eigentlich mehrere) zu Herzen und Verstand gehende Geschichten. Schade, dass ausgerechnet dieses Stück an genau diesem wunderschönen Sommerabend mit Garten und Ambiente konkurrieren musste.

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