Cuxhaven/Nordholz - Wenn sich ein Festival-Veranstalter dazu entschließt, statt internationaler Stars auf deutsche Künstler zu setzen, dann ist die Auswahl nicht besonders groß. Hierzulande haben vielleicht zehn Bands das Potenzial, die Massen zu einem großen Mainstream-Festival wie dem Deichbrand zu locken. Am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz standen am vergangenen Wochenende gleich vier davon auf den beiden Hauptbühnen: die Beatsteaks aus Berlin, Kraftklub aus Chemnitz, Deichkind und Fettes Brot aus Hamburg. Künstlerisch wertvoll war das nicht – aber erfolgreich.
Beatsteaks: 20 Jahre gibt es die Beatsteaks, die ganz große Zeit der Berliner ist schon etwas her – auch wenn das letzte Album im vergangenen Jahr auf Platz eins der Deutschen Charts landete. Zwei Jahrzehnte Bandgeschichte erlauben es Sänger Arnim Teutoburg-Weiß vollmundig zu versprechen: „Heute spielen wir nur Hits, Deichbrand, nur Hits.“ Und er verspricht nicht zu viel. Ein 90-minütiger Ausflug ins Jahr 2005: plötzlich wieder 17, der allererste Festival-Besuch, auf der Bühne die großen Beatsteaks. Teutoburg-Weiß ist noch immer dieselbe Rampensau, noch immer springen Zehntausende im Takt von „Cut off the Top“ (das zugegebenermaßen erst 2007 erschienen ist). Wir sehen uns in zehn Jahren wieder! Kraftklub: Die lange Bandgeschichte der Beatsteaks fehlt den Chemnitzern noch – die Fanbasis nicht. Mindestens so viele Besucher wie bei den Berlinern und deutlich mehr junge Mädchen mit selbstgemalten Pappschildern. Während der ersten drei Stücke werden Dutzende erschöpfte Fans aus dem Gedränge gezogen. Kraftklub sind eine großartige Live-Band, spulen egal wo und egal wann ihre Show ab. Auch beim Deichbrand überraschen sie nicht, gefeiert werden sie trotzdem. Immerhin wirken sie bei ihrem ersten Auftritt als offizieller Deichbrand-Headliner noch eine Spur unverbrauchter als die Beatsteaks. Deich kind: Die Hamburger waren besonders gut, als sie überrascht haben. Vor fast zehn Jahren wurden nahezu über Nacht aus den Deutsch-Rappern Elektro-Anarchisten, die in Müllsäcken bekleidet mit Schlauchbooten über das Publikum surften. Durchgeknallt sind Deichkind noch immer, die Texte sind zunehmend gesellschaftskritischer geworden, die Anarchie wirkt aber zu geplant. Das passt allerdings ganz gut auf Festivals – schließlich sind auch die nur ein paar Tage geplante Anarchie.  Fettes Brot: Im vergangenen Jahr waren die Hip-Hop-Bands noch in der Überzahl, in diesem Jahr ist Fettes Brot fast schon die Ausnahme. Den Auftritt der Hamburger bekommen nur die Hartgesottenen noch mit, nachdem die meisten bereits am Sonntagabend vor dem Regen geflohen waren. Trotzdem hüpfen noch Zehntausende durch den Schlamm. Dokter Renz, Björn Beton und König Boris nehmen es mit Humor – schließlich haben sie einen Ruf als Deutschlands Hip-Hop-Clowns zu verteidigen.

Für alle, die weniger Wert auf Party legen, gibt es beim Deichbrand die kleine Bühne im Zelt. Auch dort spielen vor allem deutsche Bands: Pascow, Tocotronic, Marcus Wiebusch. Nicht ganz so erfolgreich – dafür aber künstlerisch wertvoll.