Wangerland - „Das wird es so nie wieder geben“: Mit dieser Ankündigung stimmte Peter Wawerzinek die Besucher der ersten „Langen Nacht“ der Horumersieler Literaturtage in Horumersiel ein. Und was dann kam, sorgte für Irritation – zumindest bei einigen, die die Lesung vorzeitig verließen. Andere feierten den Autoren begeistert und forderten eine Zugabe.

Eine gesungene Lesung war, was es so nicht wieder geben wird: In spontanem Sprechgesang, begleitet vom Gitarristen Manuel Bunger, ließ Wawerzinek einiges aus seinen Büchern „Rabenliebe“ und „Schluckspecht“ hören. Wenn man sich vor Augen führt, dass er, von der Mutter verlassen, in einer Pflegefamilie aufwuchs, sich durchkämpfte und massive Alkoholprobleme überwand, dann verwundert die Vortragsform eigentlich nicht. Da muss man vielleicht einiges heraussingen oder herausschreien.

Eine ganz andere Sicht zeigte Gregor Sander mit Ausschnitten aus seinem neuen Roman „Was wäre gewesen“. Ebenso wie Wawerzinek ist er in der DDR aufgewachsen und beschreibt in einer Szene zwei junge Frauen – „Die weibliche Perspektive müssen sie sich jetzt vorstellen“, fügt er ein – die durch den Wald gehen. Es ist nur ein kurzer Ausschnitt aus den Lebensgeschichten einiger Menschen, deren Verlauf durch die deutsche Teilung bestimmt ist.

Programm der Horumersieler Literaturtage am 9. Mai

11 Uhr, Dorfplatz Horumersiel: Werkstatt „Flattersätze“ der Lebensweisen: 30 behinderte und nichtbehinderte Menschen stempeln Texte auf Banner und hängen diese in der großen Eiche auf. Mitmachen ist erwünscht! Die Stempel sind selbst gebaut, die Texte sind alle selbst erdacht. Das rollende Museum der Lebensweisen ist ebenfalls vor Ort. 15 Uhr, Dorfplatz Horumersiel: „Literatur im Zelt“ mit Salim Alafenisch, Gisela Kalow, Nevfel Cumart und Manfred Schlüter.16.45 Uhr, Paul-Gerhardt-Haus Horumersiel: Künstlerkollektiv „flechtwerk“.20 Uhr, Haus des Gastes, Horumersiel: Abschlussveranstaltung „Lesung aus allen Windrichtungen“.

Zwei unveröffentlichte Geschichten „Gehirn“ und „Pappelpollen“ hatte Judith Hermann dabei. Sie ist regelmäßiger Gast der Literaturtage und hat familiäre Beziehungen nach Horumersiel. Nach drei Büchern mit Erzählungen ist 2014 ihr erster Roman „Aller Liebe Anfang“ erschienen.

Mit feinsinnig Ironischem zum Thema Reihenhaus und Sammelwut amüsierte Daniel Schnorbusch. Er schreibt Kolumnen – und was er im Gespräch mit seiner Angetrauten „Fräulein Schröder“ und den Nachbarn in der Reihenhaussiedlung erlebt und aufschreibt, ist jedem nur allzu bekannt und doch höchst unterhaltsam.

Mehr als unterhaltsam waren für die Grundschüler in Hooksiel und Tettens die Lesungen des Kinderbuchautors Manfred Schlüter: Er zog mit seinen Buchstabenmalereien und Kreidezauber die Mädchen und Jungen regelrecht in den Bann. „Kunterbunt“, „Herr Schwarz und Frau Weiß“ sind nur zwei seiner unzähligen Titel.

Und alles, was die Kinder erzählten, erschien schwuppdiwupp gezeichnet von Schlüter auf Papier.