Ich gebe offen zu, dass ich kein fleißiger Kirchgänger bin. Bei meinen wenigen Besuchen in der Kirche habe ich einmal Pastorin Susanne Bruns erleben dürfen, und ich fand ihren Gottesdienst sehr interessant. Jedenfalls fielen mir zu keiner Sekunde die Augen zu. Ansonsten kannte ich Pastorin Bruns nicht persönlich und wusste sehr wenig von ihr. Umso interessanter wurde das Gespräch mit ihr.
Geboren ist Susanne Schulz (so ihr Geburtsname) in Sande (Friesland), aufgewachsen in Wilhelmshaven. Ihr Vater war Ingenieur und ihre Mutter kümmerte sich als Hausfrau um die drei Kinder. Nach ihrer Konfirmation 1978 verbrachte sie ihre Freizeit in der Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde. „Ich bin einmal mitgegangen und dann dort hängen geblieben, weil mir die Arbeit gerade mit Kindern sehr viel Spaß macht“, erzählt sie mir. Zu dieser Arbeit gehörte auch der Besuch von Kindergottesdiensten, und schnell kam sie auf den Gedanken, dass Pastorin vielleicht ein Beruf für sie sein könnte.
Vor dem Studium wollte Susanne Schulz gerne noch etwas Praktisches lernen und plante vorab eine Lehre als Tischlerin. Dieses Vorhaben scheiterte, weil kein Ausbildungsbetrieb die vorgeschriebenen Damentoiletten hatte. In Münster, Heidelberg und in Hamburg studierte sie dann Theologie. „Ich wollte gerne verschiedene Professoren hören“. Nach der Abschlussprüfung arbeitete sie zwei Jahre als Vikarin in Westerstede. In guter Erinnerung ist ihr noch, dass sie für ihre erste Trauerfeier eingeteilt wurde, die Angehörigen aber meinten: „Wir wollen keinen Lehrling!“. Da aber kein anderer Pastor zur Verfügung stand, durfte sie diese Trauerfeier begleiten und erntete anschließend von den Angehörigen viel Lob.
Nach dieser Zeit als Vikarin war sie nun Pastorin Susanne Schulz. Da aber keine freie Stelle zur Verfügung stand, arbeitete sie zunächst ein halbes Jahr bei der Barmer Ersatzkasse. Dann konnte sie in ihren Beruf einsteigen, um in Oldenburg-Osternburg für ein Jahr eine Elternzeitvertretung zu übernehmen. Glücklich war sie, als sie gleich anschließend eine feste Stelle in Oldenburg-Eversten bekam, aber diese Stelle wurde nach einem Jahr gestrichen.
1998 kam das Angebot, Pastorin in Vechta oder in Ganderkesee zu werden. „Ich kannte Ganderkesee vorher nicht, wusste aber, dass es dort die wunderschöne St. Cyprian- und Corneliuskirche gibt und da wollte ich gerne die Gottesdienste feiern!“.
Wäre „Amor“ nicht gewesen, dann gäbe es eine Pastorin Schulz oder Bruns wohl nicht mehr in Ganderkesee. Nach drei Jahren war sie sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, den Menschen hier. Aber wenn sie die Tür zu ihrem Pfarrhaus in Rethorn hinter sich zumachte, fühlte sie sich allein. Freunde und Familie waren weit weg. Doch dann trat ihr späterer Ehemann Michael Bruns in ihr Leben. „Wo haben Sie Ihren Ehemann denn kennengelernt?“ fragte ich ganz interessiert. „Auf der Beerdigung seiner Ehefrau“, bekam ich zur Antwort. Sie hatte als Pastorin diese Trauerfeier begleitet. „Wir haben uns anschließend lange nicht gesehen, und beim ersten Wiedersehen entwickelte sich dann alles“.
Da gab es aber noch ein Problem. Ihr Mann Michael wollte sein Haus in Ganderkesee nicht verlassen, sie aber musste als Pastorin in einem Pfarrhaus wohnen. Die Lösung war eine dreiviertel Stelle. Als nicht vollzeitbeschäftigte Pastorin gilt die Wohnpflicht im Pfarrhaus nicht mehr.
Auf meine Frage, wie es ihr im Ort Ganderkesee gefällt, antwortet sie mit voller Begeisterung: „Ich liebe es, dass ich zu Fuß in den Ort gehen kann und beim Einkaufen Menschen begegne, mit denen man ein kleines Pläuschchen halten kann. Eine Gemeinschaft, die es in der Stadt so nicht gibt. Dazu kommt, dass ich hier auch sehr schnell in der Natur und im Grünen sein kann. Ich fühle mich hier rundum wohl. Auch beruflich gefällt es ihr in Ganderkesee. „Ich habe mit ganz vielen Menschen zu tun. Da passiert auch schon einmal ein Fehler in der menschlichen Begegnung, aber über 90 Prozent sind gute Begegnungen. Wir Pastoren sind auch ,nur‘ Menschen“, gibt sie unumwunden zu. Zu guter letzt frage ich sie nach ihrem Lieblingsspruch aus der Bibel: „Alles hat seine Zeit!“, antwortet sie ganz spontan – und ist schon auf dem Weg zum nächsten Termin.
Pastorin der ev.-lutherischen Kirchengemeinde Ganderkesee.
