WITTENSAND - „Nur 500 Meter weiter und ich bin in Ostfriesland“, lacht Ingeborg Einhaus. Die Wittensanderin wohnt in dem Haus, in dem sie als Kind aufgewachsen ist. „Ich lebe gern im Saterland. Besonders mein Heimatort Wittensand ist mir ans Herz gewachsen. Hier habe ich das Gefühl, in einer Gemeinschaft zu leben. Jeder hat hier seine Eigenarten, die akzeptiert werden“, sagt die Wahl-Wittensanderin.

Nur zum Studium in Vechta und für einen einjährigen Aufenthalt in Kanada, weil ihr Mann dorthin versetzt worden war, hatte sie ihrem Lieblingsort vorübergehend den Rücken gekehrt. „Aber ich war jedes Mal froh, wenn ich hierher zurückkommen konnte“, sagt die Grundschullehrerin.

An Wittensand schätzt sie die gute Dorfgemeinschaft, die Natur und ihre Muttersprache – Seeltersk. „Ich habe Saterfriesisch quasi mit der Muttermilch aufgesogen“, berichtet die 50-Jährige. Bereits als Kind hat sie mit der Familie, den Nachbarn und ihren Spielkameraden fast nur Seeltersk gesprochen.

„Ich habe – als ich klein war – mit den Nachbarskindern Gummitwist und Verstecken gespielt. Ich hatte eine tolle Kindheit, quasi wie die Kinder von Bullerbü in den Geschichten von Astrid Lindgren“, schwärmt die Saterfriesin. Viele Kontakte von damals sind ihr auch bis heute geblieben.

Als waschechte Wittensanderin ist sie auch Mitglied im hiesigen Böllerverein und zudem im zehnköpfigen Frauen-Dorfclub aktiv.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer Großstadt zu leben. Ich genieße viel lieber das Landleben in Wittensand“, sagt die Grundschullehrerin. Neben der Natur und der Dorfgemeinschaft würde die 50-Jährige vor allem ihre Muttersprache vermissen. Denn Seeltersk ist für die Pädagogin eine echte Herzensangelegenheit.

An der Grundschule in Scharrel unterrichtet sie mittlerweile nicht nur Schüler, sondern auch ihre Kollegen in der saterfriesischen Sprache. Hintergrund: An der Grundschule wird bilingualer Unterricht in Hochdeutsch und Saterfriesisch eingeführt.

In ihrer Freizeit steigt die Saterfriesin gern aufs Rad oder wandert entlang der Sagter Ems. Aber im Moment beschäftigt sie vor allem ihr Hausbau. Nur wenige hundert Meter vom alten Wohnhaus entfernt entsteht gerade ein schmuckes Einfamilienhaus, in das sie noch dieses Jahr mit ihrer Familie ziehen möchte. Ihr größter Wunsch? Dass die Gemeinde Saterland einen Sprachbeauftragten für Saterfriesisch einstellt, der sich für den Erhalt und die Förderung der Sprache einsetzt.