Oldenburg - Ein Ständchen zum Geburtstag ist nicht außergewöhnlich. Was die Mitglieder und Gäste der Erna-Schlüter-Gesellschaft am Mittwochabend geboten bekamen, war jedoch eine musikalische Präsentation der Extraklasse. Sopranistin Anna Avakian und Tenor Alexander Murashov (beide 25) holten alles aus ihren beeindruckenden Stimmen heraus. Auf dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Gesellschaft gaben sie, begleitet von Carlos Vazquez am Klavier, Duette und Solopartien aus Opernklassikern wie Rigoletto, La Traviata und La Bohème zum Besten.

„Ergreifend“, kommentierte der Vorsitzende und Schlüter-Neffe Dr. Manfred Schmoll die Kostprobe aus dem Opernstudio des Staatstheaters, das den Festakt im alten Tanzsaal mit ausrichtete. Avakian und Murashov sind die beiden ersten Sänger an der neuen Talentschmiede des Hauses. Das Opernstudio, ein Förderprogramm unter der Leitung von Musik-Chefdramaturgin Steffi Turre, wird maßgeblich von der Erna-Schlüter-Gesellschaft unterstützt.

„Ich freue mich darüber, dass wir so einen Volltreffer landen konnten“, sagte Schmoll in Richtung Christian Firmbach. Der neue Generalintendant, der sich auf dem Festakt bei den Mitgliedern vorstellte, dankte der Schlüter-Gesellschaft für die „wichtigen Impulse“ bei der Gründung. „Persönlichkeiten auf der Bühne müssen heranreifen, sonst gehen bestimmte Sänger im Laufe der Jahre verloren“, betonte Firmbach; „Wir wollen Talente entdecken, denn Oldenburg war immer ein Sprungbrett.“

Das galt auch für Erna Schlüter (1904-1969). Die Sopranistin gehörte zu den bedeutenden Wagnersängerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach dem Debüt am Theater ihrer Geburtsstadt Oldenburg in den frühen 1920er-Jahren nahm ihre Karriere einen steilen Aufstieg. Die Kammersängerin stand unter anderem in Düsseldorf, Hamburg und Berlin auf der Bühne, feierte aber auch internationale Erfolge in Salzburg, Mailand und New York.

Die Idee zur Gründung der Gesellschaft entstand 2004 zu Schlüters 100. Geburtstag. „Wir wollten sie aus diesem Anlass gebührend würdigen“, sagte der Musikwissenschaftler Jürgen Gauert (Deutschlandfunk), der den Festakt moderierte. Ziel der Gesellschaft ist die Opernförderung in Oldenburg, die mit der Vergabe eines Förderpreises an talentierte Sänger einhergeht.