Oldenburg - Jung, dynamisch und durchtrainiert präsentieren sich die Mitglieder der tschechischen Tanzcompagnie „420 People“ am Sonnabend dem Publikum im voll besetzten Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.
Wie aus einem Guss wirken die Bewegungen in den drei Choreografien, die die Stärken des Ensembles offenlegen: ausdrucksstarker Tanz mit einer Kombination aus Ballett, Breakdance, Modern Dance und Pantomimen.
Gleich zum Auftakt zeigen Nataša Novotná und Václav Kuneš 14’20“, ein Duett von Jiří Kylián aus dem Jahr 2002. Viel Kulisse braucht es nicht. Scheinwerfer tauchen die Bühne in helles Licht, die Musik aus der Feder von Dirk Haubrich wirkt hypnotisierend. Im Einklang mit der Melodie präsentieren sich die Tänzer mit freiem Oberkörper, faszinieren mit ihren geschmeidigen Bewegungen und verschmelzen geradezu bei ihrem Bestreben nach Nähe zueinander. Am Ende versinken sie dennoch in einer Plane auf dem Boden, wie Lebewesen, deren Zeit noch nicht gekommen scheint.
Kuneš war am Sonnabend extra für die Choreografie angereist, da einer der Tänzer verletzt und dessen Vertretung erkrankt war.
Sowohl Kuneš als auch Novotná entstammen dem Nederlands Dans Theater, einer der renommiertesten Compagnien der Welt. Die Tradition der internationalen Zusammenarbeit führen sie mit „420 People“ fort.
Die zweite Choreografie „Golden Crock“ aus dem Jahr 2008 von Kuneš feierte am Sonnabend Deutschlandpremiere. Sie handelt von einem Traum dreier Personen, deren Gegenwart sich jedoch ständig verändert. Daher müssen die Tänzer nicht nur sich, sondern auch ihre Beziehungen zueinander neu entdecken. Zwei Männer und eine Frau gleiten leichtfüßig zu Fiedel-Klängen über die Bühne, berühren sich oder wenden sich voneinander ab.
Höhepunkt des Abends ist die Choreografie „Reen“ von Kuneš aus 2010 über Erinnerungen an Orte aus der Vergangenheit und die Neigung des Menschen, diese zu idealisieren. Mikrofone baumeln von der Decke herab, in die die sechs Künstler Sätze sprechen, die sich fortan als Echo wiederholen. Untermalt wird das Ganze von kräftigen E-Gitarrenklängen.
Nach etwa eineinhalb Stunden ist Schluss. Von den Zuschauern gab es minutenlangen, mächtigen Beifall.
