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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wo Luftgeister auf Hexensöhne treffen

11.03.2013

Oldenburg Spukende Geister haben nicht den besten Leumund. Außer: Sie entspringen der Welt von Shakespeare. Das Oldenburgische Staatsorchester tut eine Menge für ihren guten Ruf. Es animiert im 5. Sinfoniekonzert Prospero, Ariel oder Caliban zum Spuk durchs Große Haus.

Zauberer, Luftgeist und Hexensohn aus dem „Sturm“ wirbeln durch das Cellokonzert von Fredrik Schwenk. „Sturm Stoff Träume“ nennt der Hamburger Kompositions-Professor die drei Teile, die der brillante Solist Niklas Schmidt und die Oldenburger unter Leitung von Marcus Bosch uraufführen.

Der Nürnberger Generalmusikdirektor weist klare Richtungen, mischt Genauigkeit mit Impuls, überfrachtet die Musik im ganzen Programm nicht mit Nachdruck. Insgesamt spielt das Staatsorchester auf gutem, aber nicht auf höchstem Niveau. Es fehlt etwas Geschmeidigkeit und Bläserpräzision.

Prospero eröffnet den Trubel mit einem Orchesterschlag. Ariel wiegt sich frech behaglich auf dem feinen Windhauch der Geigen. Caliban kippt die aufgekratzte Stimmung ins Melancholische. Immer wieder mischt Niklas Schmidt seine fein schattierten Klänge mit den Bläsern, am Ende, kaum wahrnehmbar, mit der Trompete neben der Bühne.

Schwenk ist kein verschreckender Neutöner. Er meidet Fremdsprachen, nimmt mit erfassbaren Formen für sich ein, treibt motorisch im Stil Artur Honeggers den Fluss voran, wuchert mit der großen Besetzung. Die Musik entwickelt starke innere Kraft. Sie könnte auch über die Normalität normaler Konzerte hinaus tragen. Vom Solisten werden eher konventionelle Griff- und Strichtechniken gefordert. Da zeigt Schmidt eine lastenfreie Virtuosität und untrüglichen Sinn für Nuancen.

Es spuken auch irdischere Geister: König Lear in der Ouvertüre von Hector Berlioz, frappierend in seiner Zerrissenheit. Oder Julius Cäsar in Robert Schumanns Studie, hier als recht robuster Charakter.

Vor allem wird der Geist von Joseph Haydn lebendig. In der Sinfonie Nr. 98 B-Dur entdeckt Bosch gerade im Kontext zur Uraufführung Haydn als Musiker, der weit in die Zukunft weist. Temperamentvolle Impulse gelingen ebenso wie Wendungen auf engstem Raum. Naturtrompeten und Naturhörner geben dem Gesamtklang Wärme.

Selbst ein oft unterschlagenes Detail wird umgesetzt: Das Cembalo, in der Klassik längst zum Mitzirpen verdammt, darf sich kurz zu Wort melden – ein augenzwinkerndes Erinnern an das veraltete Generalbassspiel.

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