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Achtzigerjahre Wo Michael Jackson nicht erwünscht war

Jens Milde

Nordenham - Jens Vogelsang hatte schon immer ein Faible für Musik. Und für Schallplatten. Wenn er einen bestimmten Titel spielen wollte, wusste er genau, an welche Stelle er die Nadel platzieren musste. Ohne nachzuschauen und ohne groß nachzudenken. „Mit Augenmaß die richtige Rille zu treffen, das hat die Arbeit erheblich erleichtert.“ Jens Vogelsang gehört zu denen, die die Nordenhamer Discoszene der Achtzigerjahre mit geprägt haben. Von 1986 bis 1990 hat er das Apollo betrieben. Der Tanzschuppen an der Ludwigstraße war bei all denen beliebt, die sich vom Mainstream abgrenzen wollten, die die Haare in der Regel etwas länger trugen und lieber Genesis hörten als Michael Jackson.

Der 52-Jährige denkt gerne an die Zeit zurück. Bei Vredeborch in Atens hatte er Werkzeugmacher gelernt. Die Ausbildung musste er aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Er zog nach Bremen und verkaufte Schallplatten bei JPC. 1985 zog es ihn zurück in die Heimatstadt.

Mutiger Schritt

Hin und wieder legte er im Apollo auf. Den Laden betrieb damals Peppino Mammone. Der wollte sich aber mehr auf seine zweite Disco, das Sounds in Brake, konzentrieren. So übernahm Jens Vogelsang den Laden. Ein mutiger Schritt. Schließlich musste er einen Kredit aufnehmen, um sein Hobby zum Beruf zu machen.

Aber den Schritt hat er nie bereut. „Es war eine tolle Zeit“, erinnert sich der 52-Jährige gerne an die Apollo-Ära zurück. Damals hatten die Dis­cotheken noch eine andere Bedeutung als heute. Sie waren nicht nur ein wichtiger Treffpunkt für die jungen Leute. „Gerade ins Apollo gingen viele, um neue Musik zu hören.“ Hier wurden Lieder gespielt, die es nie ins Radio schafften. Die Musik hatte einen ganz anderen Stellenwert als heute, wo jeder Song im Internet nur ein paar Mausklicks entfernt ist. „Ich bin oft nach Bremerhaven oder Bremen gefahren, um Platten zu kaufen. Manchmal nach Hamburg und manchmal sogar nach Berlin“, erinnert sich Jens Vogelsang.

Anfangs hatte er das Apollo jeden Tag geöffnet, später ließ er den Laden montags geschlossen. Das Apollo war vor allem am Wochenende gerammelt voll. „Manchmal konnten wir erst dann wieder Leute reinlassen, wenn andere den Laden verließen.“ Jens Vogelsang erinnert sich, dass einige Gäste extra aus Oldenburg kamen, um im Apollo zu feiern.

Zweimal baute er den Laden um, wobei er viel Hilfe von Freunden bekam. Unter anderem riss er mehrere Deckenschichten heraus, baute neue Sitzgelegenheiten ein und gestaltete den Tresen neu. Die Lichtanlage Marke Eigenbau bestand aus einer auseinandergesägten und zu einem Dreieck verschraubten Metallleiter, an die mehrere Scheinwerfer montiert wurden. Die Musikanlage bestand aus einem Kassettendeck und zwei Plattenspielern.

Schallplatten gestohlen

„Die Musik war mein großes Kapital“, sagt der 52-Jährige rückblickend. Doch Ende 1988 wurden ihm rund 400 Schallplatten gestohlen. „Das war ein Schlag ins Kontor.“ In der Folge blieben viele Gäste weg. Nur langsam gelang es Jens Vogelsang, einen neuen Schallplattenfundus aufzubauen und damit auch die Besucher zurückzuholen.

Aber es nützte nichts. 1990 endete die Apollo-Ära. Das Haus wurde verkauft. Und weil die neuen Besitzer lieber ein Billard-Café als eine Discothek haben wollten, waren die Tage des alternativen Musikschuppens gezählt. Jens Vogelsang hätte gerne weitergemacht, aber jegliche Versuche das Apollo vor dem Aus zu retten, scheiterten.

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