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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wo Poesie auf Klang trifft

17.11.2012
Frage: Hat die Bekanntschaft mit dem neuen Generalmusikdirektor Roger Epple zu Ihrem Auftritt in Oldenburg beigetragen?
Oelze: Ja, wir lernten uns 2010 kennen, als er für einen anderen Dirigenten einsprang – mal ein Dirigent, nicht die Sängerin. In Straßburg haben wir diese Lieder aufgeführt. Ich habe damals gern mit ihm gesungen, ich empfand ihn als „Sängerdirigenten” und spürte sein Einfühlungsvermögen für die Stimme.
Frage: Ihre Programme enthalten viel Gustav Mahler. Vor dem Strauss gibt es nun einen ungewöhnlichen Mahler: Totenfeier, die Frühfassung des ersten Satzes der zweiten Sinfonie. Bekommt man so etwas vorm eigenen Auftritt mit, regt es besonders an?

Drei Konzerte

Werke von Gustav Mahler und Richard Strauss stehen auf dem Programm des 3. Sinfoniekonzerts des Oldenburgischen Staatsorchesters an diesem Sonntag (17 Uhr), Montag (19.30 Uhr) und Dienstag (19.30 Uhr) im Großen Haus. Strauss und Mahler verband eine fast 30-jährige Freundschaft. Das Konzert in Oldenburg steht unter dem Titel „Tod und Verklärung“. Für Sonntag und Montag gibt es nur noch Restkarten, für das Konzert am Dienstag eine größere Auswahl. Karteninfo: Telefon  0441/222 51 11

Als Solistin tritt Christiane Oelze im Staatstheater auf. Sie ist inzwischen ein gefragter Star des internationalen Musikbetriebs geworden und arbeitete mit bekannten Dirigenten und Orchestern wie den Berliner Philharmonikern oder der Staatskapelle Dresden zusammen. Die musikalische Leitung der drei Konzerte übernimmt Oldenburgs Generalmusikdirektor Roger Epple.

  Infos:

  Infos:www.staatstheater.de

Oelze: Das mag den Charakter der Strauss-Lieder verstärken, die ja eine Allegorie des Lebens vermitteln: Frühling, September, Schlafengehen, Im Abendrot. Ich mag Programme, die einen roten Faden verfolgen, aber nicht einer „verkopften“ Idee entspringen. Ich werde bei den Mahler-Proben sicher zuhören, im Konzert konzentriere ich mich auf „meine” Lieder. Aber die Atmosphäre bekomme ich mit.
Frage: Sie schätzen Mahler, weil er große Ehrlichkeit und Schlichtheit fordert?
Oelze: Anfang Dezember singe ich in Tokio einige der „Wunderhorn”-Lieder. Gegenüber diesem Strauss sind Mahler-Lieder viel textbezogener. Die Stimme taucht quasi in den Orchesterklang und geht doch nie unter, verschmilzt gleichsam, fügt eine Klangfarbe hinzu. Nie hat sich jemand über mangelnde Textverständlichkeit beschwert. Dabei kann man, weiß Gott, nicht jedes Wort verstehen. Das scheint nicht zu stören, die Poesie vermittelt sich eben mehr über den Klang.
Frage: Sie haben in den 80er-Jahren Meisterkurse bei Elisabeth Schwarzkopf besucht. Die hat ihre Schülerinnen zu kühler Zurückhaltung animiert: Man dürfte sich nicht völlig hingeben. Was passt davon zu Ihnen? Ich würde mich bei Ihnen eher von Wärme und Gefühlsbewegung auf kurzen Wegen ergriffen fühlen.
Oelze: Danke für das schöne Kompliment! Ich habe 1987 den Hugo-Wolf-Wettbewerb in Stuttgart gewonnen. Das ist nun 25 Jahre her. Damals saß Frau Schwarzkopf in der Jury. Noch unter ihrer Betreuung habe ich 1991 die Konstanze in der Salzburger „Entführung“ gesungen – meine gerade mal dritte Opernproduktion. Ich habe damals viele stilistische Anregungen bekommen, klanglich hat mich ihr Konzept eingeengt. Von Erna Westenberger habe ich dann sehr viel gelernt. Vor allem: Ich arbeite in einem anstrengenden, fordernden Beruf, da muss man schon stimmlich und auch seelisch gesund bleiben, auch überleben. Lust am Singen ist für mich die Essenz des Lebens.
Frage: Worin liegt in Ihren Augen das Geheimnis eines Gesangs, der zugleich Herz und Verstand vollkommen berührt?
Oelze: Wenn der Gesang so von innen kommt, dass nicht mehr klar ist, von wo genau. Und ohne dass er erzeugt werden muss, um da zu sein – mehr Zustand als Aktion. Es gibt eine ganz besondere Schwingung, die nicht von Muskelspannung abhängt. Ich glaube, dass das dann auch jeder mitbekommt. Mit so etwas in dieser Art beschäftige ich mich seit einer Weile. Aber erwarten Sie um Gottes Willen nicht, dass ich das nun zu hundert Prozent im Konzert umsetze.