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Kultdisco „rocktheater“ Keine Chance: Wo Robbie Williams nicht rein kam

Stephan Onnen

Oldenburg - Rolf Joschko sitzt im Bistro und trinkt entkoffeinierten Kaffee. Er reibt sich das stoppelige Kinn, blickt versonnen aus dem Fenster. Dann seufzt er: „Das war eine verdammt schöne Zeit.“ Er denkt an die Jahre zwischen 1988 und 1997. Sein Leben, das war damals zuallererst die Musik und dann das „Rocktheater“. „Mein Laden, mein Baby“, sagt Joschko stolz. Zusammen mit Gustav Wehen, dem Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes in Oldenburg, hatte er damals die Discothek an der Bloherfelder Straße betrieben.

Vorgänger „Sphinx“

Beide verfügten beim Beginn ihrer Zusammenarbeit schon über umfangreiche Erfahrungen in dieser Gastronomiesparte. Wehen war im Traditionslokal Krückeberg groß geworden. Von 1979 bis 1986 führte er den von seinem Vater übernommenen Betrieb als Discothek „Scala“. Rolf Joschko, der zuvor in verschiedenen Läden („Novo“, „Why Not“) als DJ aufgelegt hatte, übernahm 1983 als 28-Jähriger das „Charts“ in Harkebrügge. Parallel dazu eröffnete er 1986 das „Sphinx“ in Oldenburg in der Alten Molkerei am Westkreuz. Nachdem sein Pachtvertrag fürs „Charts“ nach fünf Jahren auslief, trennte sich Joschko 1988 auch vom „Sphinx“, das Gustav Wehen übernahm. Drei Monate später bot ihm Wehen an, als Partner einzusteigen. Joschko willigte ein – gemeinsam entwickelten sie das Konzept fürs „Rocktheater“. „Jeder trug Einrichtungsgegenstände aus seinen vorherigen Läden zusammen“, erinnert sich Hannelore Wehen, die Witwe des 2012 verstorbenen Gustav Wehen. Besonders markant: zwei futuristisch anmutende, lackierte Schaufensterpuppen, die an der Wand befestigt waren.

Ihr Mann sei eher der Konservative und beim Start des „Rocktheaters“ schon Anfang 50 gewesen, berichtet Hannelore Wehen, der rund 20 Jahre jüngere Joschko hingegen war der Musikfreak. Während sich Wehen um das Geschäftliche kümmerte, widmete sich Joschko als DJ der Musik. „Ich hätte keinen besseren Partner finden können“, sagt Joschko. Das ungleiche Duo hatte Erfolg: „Der Laden ging ab wie ein Granate“, so Joschko.

Klangvolle Namen

Das „Rocktheater“ wurde musikalisch seinem Namen vollauf gerecht: Zunächst Rockfans, später auch Grunge- und Alternativ-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. Auch als Live-Konzertstätte machte sich die Discothek einen klangvollen Namen: Bands wie Alex Orient Experience, Kraan oder Rare Earth standen auf der Bühne. Auf der Tanzfläche seien Songs wie „School“ von Supertramp und „Sympathy for the Devil“ von den Stones die Reißer gewesen, erinnert sich Joschko. Allerdings räumt er im Nachhinein ein, dass er Hits, die gerade im Radio liefen, besser ins Programm hätte integrieren müssen. Doch damals war er wenig kompromissbereit, und ein Stück von Robbie Williams kam dem Rockpuristen nicht auf die Playlist.

Das änderte sich nach Joschkos Worten indes, als Gustav Wehens Sohn Eilert 1994 dazu stieß. Die Dreier-Konstellation hielt drei Jahre, 1997 entschloss sich Rolf Joschko zum Ausstieg: „Ich war zum Schluss nicht mehr glücklich.“ Er wollte noch einmal zu seinen Wurzeln zurückkehren. Diese Chance bot sich ihm nach dem Ende des „Ede Wolf“ in Metjendorf – „Roots“ nannte er den Laden folgerichtig. Die Wehens kamen zur Eröffnung und wünschten Erfolg – doch der wollte sich nicht einstellen. Schon nach einem Jahr war Schluss für das „Roots“, und Joschko hatte erst einmal die Nase voll von der Musik: „Ich konnte nicht mal mehr Radio hören“, erinnert er sich.

DJ-Legende im Einsatz

Gustav Wehen, stets der Erste am Abend und der Letzte am Morgen, zog sich 2001 zurück. Sein Sohn Eilert, der am 7. April 2014 im Alter von 53 Jahren verstorben ist, führte die Geschäfte alleine mit seiner Freundin Petra weiter und sorgte weitere neun Jahre dafür, dass das „Rocktheater“ eine Konstante im Nachtleben blieb. Und dennoch: Dem Wechsel von Geschmäckern und Generationen hatte das „Rocktheater“ nichts mehr entgegenzusetzen. Am 29. Mai 2010 wurde zum letzten Mal gerockt. Auch das am 16. Dezember 2011 an dieser Stelle eröffnete „Furys“ ist bereits wieder Geschichte.

Rolf Joschko dreht derweil am Rad: Der gelernte Fahrradmechaniker betreibt in Metjendorf den Fahrradhof. Seine Leidenschaft für Musik hat er längst wiederentdeckt. An diesem Sonnabend legt er auf dem Schlossplatz in Jever zusammen mit anderen DJ-Legenden bei der DJ-Night „Goin’ underground“ auf. Los geht’s um 18 Uhr. In Oldenburg bestreitet der 59-Jährige zusammen mit DJ Sam am Sonnabend, 26. Juli, ab 21 Uhr die „5. Classic Rocktheater Revival Party“ im „Cadillac“ an der Huntestraße. Und auch als DJ für Privatpartys ist er buchbar unter Tel. 0162/7991938. „Musik“, sagt Joschko, „ist eben meine Welt.“

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