WOLFSBURG - Der Künstler lebte von 1904 bis 1980. Von der Queen bis Marilyn holte er fast alle vor seine Kamera. Dafür wurde er als Fotograf der Prominenten sogar zum Ritter geschlagen.
Von Jürgen Weichardt
WOLFSBURG - Ein Glückspilz ist jemand, der mit jungen Jahren in exklusiven Kreisen Fuß fassen kann. Cecil Beaton, geboren in einer Londoner Vorstadt, hatte schon als Dreijähriger Freude an Porträt-Postkarten.Mit George Orwell besuchte er das Internat St. Cyprian’s. Fantasievollen Kostümen galt das Interesse des Studenten. Zu Bällen und Theaterstücken entwarf er sie in barocker Pracht. Er galt als begabt. Die High Society wurde aufmerksam.
Ihn einzuladen war natürlich chic, denn seine Fotos hatten Geschmack. Kein Skandal, sondern Können und Anstand ebneten den Weg zur gerade gekrönten Queen: Statt der vorgesehenen 20 Minuten Foto-Session blieb er mehrere Stunden, durfte den ganzen Palast Windsor besichtigen, geführt von der jungen Königin, die ihm später die ganze Familie zum Porträtieren auslieferte.
Das war 1953, und er hatte längst alle Hollywood-Größen im Auftrag auflagenstärkster Gesellschafts-Illustrierten fotografiert. Zwei Jahre später verabredete er sich mit der Sängerin und Schauspielerin Marilyn Monroe. Sie ließ ihn eine Stunde warten, aber nach eigener Aussage entschädigte sie ihn mit herzerfrischend unbekümmerter Ausgelassenheit.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg deutet Cecil Beatons Tätigkeiten als Kostüm-Entwerfer, Filmemacher und Ausstatter nur an. Sie konzentriert sich auf die Porträts.
In diesen raffiniert natürlich wirkenden Bildnissen ohne ausgefallene künstliche Posen spiegelt sich eine Epoche ohne Schmerz und Leid.
Von Weltwirtschaftskrise, Krieg und Gräuel in den dreißiger und vierziger Jahren ist kaum etwas zu sehen. Ein verwundetes Kind aus Londons Bombennächten, ein bisschen Wirrnis im Nahen Osten, wohin der Fotograf geschickt worden war, aber eigentlich waren das nicht seine Themen.
Statt Bilder von Tod und Zerstörung bevorzugte er Bildnisse vom Premier und einiger Marschälle, arabischer Könige und Prinzen, vom Schah und seine Frauen. Natürlich wusste er so gut wie seine Auftraggeber, dass die Leser statt Feuer und Schwert lieber Glamour und Glitzer sehen wollten. Vor dem Fernsehen waren eben Illustrierte die eigentlichen Drogen des Verdrängens.
Beaton selbst scheute nicht den Platz vor der Kamera, am liebsten mit seinem Freund Stephen Tennant, mit Gary Cooper oder Greta Garbo, Marlene Dietrich oder Audrey Hepburn.
Angesichts der vielen männlichen und weiblichen Beauties versinkt der Besucher in Wolfsburg in einen schönen Traum vom Aufstieg zu einem Olymp, auf dem der Schein zur Realität wird.
Zu sehen ist die Ausstellung „Porträts“ bis zum 24. Juli im Kunstmuseum Wolfsburg (Hollerplatz 1). Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 11–18 Uhr, dienstags 11–20 Uhr. Öffnungszeiten zu Pfingsten: Pfingstsonntag, 15. 5. und Pfingstmontag, 16. 5.: jeweils von 11–18 Uhr. Der Beaton-Katalog kostet 28 Euro.
