Cloppenburg - In Zeiten, in denen mancher Fußball-Bundesligist mehr als einen Cheftrainer pro Jahr verschleißt, glänzt das Museumsdorf Cloppenburg mit seltener Kontinuität an der Spitze. Nach dem Tod von Heinrich Ottenjann (1886 bis 1961) – dieser hatte 1934 das Niedersächsische Freilichtmuseum ins Leben gerufen – übernahm Dr. Helmut Ottenjann (1931 bis 2010) von seinem Vater den Posten des Museumsdirektors. 1996 ging die Leitung auf den dritten und bislang letzten Chef, Professor Dr. Uwe Meiners, über.

Doch nun muss sich das Museumsdorf einen neuen Direktor suchen – am 26. September 2017 wird Meiners 65 Jahre alt, am 31. März 2018 geht er in den Ruhestand. In bundesweit geschalteten Stellenanzeigen – am letzten Sonnabend unter anderem in der NWZ  – wird nun nach einem Nachfolger gesucht. Bis Juni wolle man Klarheit in dem Thema haben, sagt Meiners am Mittwoch in einem Pressegespräch mit der NWZ .

„So schlimm ist das gar nicht. Das Museumsdorf wird auch nach mir noch existieren“, meint Meiners, der vor seinem Engagement in Cloppenburg das Schlossmuseum in Jever geleitet hat. Wie sehr er ein Jahr vor seiner Pensionierung noch für seinen Job brennt, zeigt sich unter anderem an seiner engagierten Mitarbeit am Masterplan „Museumsdorf 2020“, mit dem das Niedersächsische Freilichtmuseum für die Zukunft fit gemacht werden soll. Zum einen geht es um eine räumliche, zum anderen aber auch um eine zeitliche und thematische Erweiterung.

„Die Menschen haben an der eigenen Geschichte ein hohes emotionales Interesse“, sagt Meiners. Die alleinige Präsentation historischer Bauernhäuser reiche nicht mehr aus, beispielsweise Besucher aus der Generation 40plus seien nun auch an Alltagsgegenständen wie Musiktruhen, Telefonen, Friseursalons, etc. aus den 70ern – also ihrer Kindheit – interessiert. Ein erstes zentrales Projekt sei hier die Umsetzung der Harpstedter Landdiskothek „Sonnenstein“ nach Cloppenburg. Aber eben auf ein neues Areal und „nicht direkt neben die Wehlburg“, so Meiners. „Wir wollen keine Zeitsprünge im Museumsdorf haben.“

In Zeiten zurückgehender Besucherzahlen in den Museen hat Meiners rechtzeitig begonnen, gegenzusteuern. So zieht die Gartenpartie jährlich bis zu 50 000, die historische Dorfkirmes 12 000 und der Nikolausmarkt 20 000 Besucher an. „Events locken die Menschen ins Museum, Inhalte binden sie dort“, weiß Meiners. Der Erfolg gibt ihm recht, knapp 291 000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Kassenhäuschen passiert. 2015 waren es 281 000. Und das bewerkstelligt das Museumsdorf mit einem Etat von vergleichsweise bescheidenen 2,5 Millionen Euro, wobei der größte Posten – rund 1,2 Millionen Euro – aus Hannover kommt.

Museumsleiter zu werden, sei – so Meiners – eigentlich nicht der Plan gewesen. „Aber Archäologe oder Basketballtrainer nach meiner aktiven Zeit“, sagt er mit leuchtenden Augen. Bis zum ersten Staatsexamen hatte er Germanistik, Geografie sowie Volkskunde auf Lehramt studiert und danach den Promotionsstudiengang für Germanistik und Volkskunde eingeschlagen.

Stichwort danach: Und was kommt für den Museumsdirektor Meiners in seinem Ruhestand? „Ich werde mit Sicherheit in kein Loch fallen“, sagt Meiners. So habe er noch einen Lehrauftrag an der Uni Münster, darüber hinaus sei er Vorstandsvorsitzender der Volkshochschule Cloppenburg. Zudem habe er mehr Zeit, mit seiner Frau die beiden Töchter und deren Familien in der Schweiz bzw. Düsseldorf zu besuchen.

Zudem wolle er noch viel sehen. Und das heiße nicht, dass es jetzt nur noch beispielsweise nach Australien gehe. Es würden eben auch Ziele wie die Grafschaft Bentheim angesteuert. „Hauptsache, ich bleibe gesund.“

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland