Schortens - Zorn und Selbstsuche, Liebeskummer und Zukunftsangst, Komisches und Abstruses oder einfach nur Alltagsbeobachtungen, wortklug und pointenreich verpackt: Der vierte Schortenser Poetry Slam, der Wettstreit der Autoren, Dichter und Wortakrobaten, im Jugendzentrum „Pferdestall“ bot ein abwechslungsreiches und abendfüllendes Programm. Zwölf „Slammer“ aus Schortens und Umgebung und vereinzelt aus Bremen und Dortmund, gingen diesmal auf die Bühne. Die Jüngste erst 17 Jahre alt, die älteste schon 77.

Zu hören gab es Unterhaltsames wie Nachdenkliches: Hannah Kühnl aus Schortens zum Beispiel brillierte mit formidablen Gedankenspielen über das Aufschieben unangenehmer Tätigkeiten und darüber, womit man so alles seine Zeit verbummelt. Merke: was Du heute kannst besorgen, das geht genauso gut auch übermorgen.

Mareile Henken aus Bremen hat sich literarisch mit dem Zustrom von Flüchtlingen auseinadergesetzt und mit den Leuten die auf Facebook alles nur liken und teilen, statt selber mal mitzuhelfen. Sven Ludewig, ein junger Mann aus Bremen, sinnierte darüber, ob es nicht manchmal besser wäre, ein bisschen mehr Arschloch zu sein, als immer nur nett.

Oder Marlene Stamerjohanns, mit 77 Jahren die Seniorin in der eher jugendlichen Slammer-Szene: Sie griff zum „Tag des Kindes“ die Kinderarbeit in der Welt auf. Kinder, die in Minen schuften müssen oder zu Kindersoldaten gedrillt werden.

Einen weiteren Text hätte die Wortjongleurin Stamerjohanns genauso gut im Comedy Club vortragen können: Sie erzählte die fröhliche Geschichte von vier Jungs, die im Reagenzglas gezeugt wurden, und, nachdem sie als Humanembryonen schon vier Jahre lang sechs Wochen alt sind, als Gefrierfachwaisen aus dem Labor ausbüchsen: „Bevor wir hier vereisen, wollen wir verreisen. . .“

Sechs Minuten hatte jeder Wortdrechsler Zeit, seinen selbstverfassten Text auf der Bühne dem Publikum zu präsentieren. Das bewertete die Beiträge mit hochgehaltenen Punktetafeln. Die drei Besten durften noch mal in einer zweiten Runde auf die Bühne.

Als Moderator fungierte abermals Lukas Sparenborg, der tags zuvor in Emden bereits einen Poetry Slam moderierte. Einige derer, die in Schortens auf der Bühne standen, waren tags zuvor auch in der ostfriesischen Seehafenstadt am Start.

Das Finale machten schließlich drei auswärtige Slammer unter sich aus: Vorwiegendinmoll aus Bremen, Tobi Katze aus Dortmund und Annika Blanke. Sie punkte mit einem Beitrag über das Verschwinden der Bücher.