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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Worte machen sich selbstständig

29.08.2016

Oldenburg Das Wunder von Anfang und Ende unserer menschlichen Existenz lässt sich kaum in Worte fassen – und doch treibt die Beschäftigung mit dem Tod Philosophen wie Alltagsmenschen gleichermaßen um. Einen höchst kunstvollen Umgang mit dem Thema haben jetzt vier Macher am Oldenburgischen Staatstheater unter der Regie von Luise Voigt hingelegt. Sie ließen sich von der mystischen Figur des Golems inspirieren und versammelten dazu aktuelle Stimmen, Töne und Gedanken, die sie in eine verblüffende Sprechoper ummünzten.

Klingt kompliziert? Ist es auch – aber auf eine faszinierende Weise. Denn das Ereignis, das von Franziska Werner, Rajko Geith, Pirmin Sedlmeir und Klaas Schramm voller Energie und kühlem Humor dargeboten wird, kommt derart raffiniert über die Rampe, dass man von einem Diskurstheater der sinnlichen Art sprechen könnte.

In spannenden Licht-Arrangements stehen die Vier an Stehpulten, später folgen atmosphärisch dichte Monologe. Man spricht Texte, die sich um die erste Begegnung mit dem Tod drehen: Kindheitserinnerungen beispielsweise, als die Eltern vor giftigen Beeren gewarnt haben.

Dabei tragen die Spieler Mikrofone, und häufig geraten ihre Worte in einen mystischen Strudel von Verdoppelungen und Verfremdungen. Die Worte machen sich quasi selbstständig, laufen als Playback weiter, während die eigentlichen Sprecher schweigen. In der Leerstelle liege das eigentliche Wesen des Mensch-Seins heißt es an einer Stelle.

Fehler, Brüche, Unerklärliches gehören zum Konzept, sind Komposition.

Ursprünglich stammen die Worte aus Interviews, die das Team mit Menschen von nebenan (in Zusammenarbeit mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst) geführt hat. Alltagsphilosophie könnte man meinen, doch die Sätze sind eine rasante Achterbahnfahrt durchs zeitgenössische Denken.

Transhumanismus wäre zu nennen, also die Vorstellung, die Gebrechlichkeit des Körpers mittels Technik zu überwinden. Ein Roboter liegt gegen Ende wie eine Leiche im Licht und wirkt zu dem sakralen Trauerlied, das erklingt, wiederum höchst menschlich.

Für Auge und Hirn wird also einiges geboten – vorausgesetzt, das Publikum bringt eine gewisse Grundlust am Experiment mit. Zur Premiere war dies fraglos der Fall, wie der begeisterte Applaus bewies.


Alle Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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