WüSTING - 1920 wurde der Chor gegründet. Die ersten Mitglieder waren Bauern, die noch keinen Ton gespielt hatten.

Von Julia Logemann

WÜSTING - „Wenn unsere Musik die Menschen berührt, wissen wir, dass sich unser Einsatz gelohnt hat“, berichtet Susanne Herzer, Chorleiterin des Posaunenchores Holle-Wüsting. Seit Januar 2000 leitet die aktive 49-Jährige die elf Bläserinnen und Bläser des Chores und hat mit ihrer Gruppe das ganze Jahr über gut zu tun. Neben den Festgottesdiensten wird auf Open-Air-Gottesdiensten, in Altenheimen, auf Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen in Wüsting und anderen Gemeinden gespielt. Den Zuhörern wird einiges geboten, denn „wir spielen alles – alte Tänze, Choräle, Spirituals und Gospel“, so Herzer. „Heute gibt es wunderbare Bläsersätze und Arrangements vom Barock bis zur Gegenwart, von alten Meistern wie Gabrieli, Monteverdi, Schein, Bach, Mendelssohn-Bartholdy bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Traugott Fünfgeld, Dieter Wendel oder dem Wildeshauser Kantor Ralf Grössler,“ sagt sie. Die Gemeinschaft im Chor darf nicht zu kurz kommen: „Neben unserer musikalischen Arbeit

ist die Harmonie untereinander genauso wichtig“, betont Herzer. Bei einer Altersspanne von 15 bis 76 Jahren, Frauen und Männern mit unterschiedlichen Auffassungen, gar nicht so einfach – aber es funktioniert. Dabei tragen kleine Rituale wie die Adventsfeier und das Sommergrillen zur guten Atmosphäre bei. Auch die Proben werden von allen regelmäßig besucht.

Nicht immer lief alles so reibungslos, musste Herzer sich als erste Chorleiterin des Posaunenchors auch in ihrer Rolle „behaupten“. Schließlich waren ihre Vorgänger allesamt Männer. Bereits seit 1920 existiert der Posaunenchor Holle, gegründet von Pastor Kreye, damals Pfarrer der Kirchengemeinde Holle. Inspiriert von einer theologischen Veranstaltung in Bethel bei Pastor Johannes Kuhlo mit seinem legendären Horn-Sextett, beschloss er ebenfalls einen Posaunenchor in der eigenen Kirchengemeinde zu gründen. Mit 25 Gründungsmitgliedern – Bauern aus Holle, die bis dahin noch keinen Ton gespielt hatten – startete Kreye und brachte den Bläsern innerhalb eines halben Jahres das Spielen auf den Blechblasinstrumenten bei, die durch Spenden gekauft werden konnten. 1924 übernahm der Lehrer Fischbeck die Leitung, 1952 löste ihn Pastor Jakobey ab, 1959 trat Pastor Wilder in seine Fußstapfen, ab 1970 leitete Heino Mönnich den Chor bis er Susanne Herzer diesen Posten übertrug. Wenn die

Chorleiterin verhindert ist, hilft Elke Hartmann aus und auch Mönnich ist stets Ansprechpartner. Ursprünglich war die Posaune Herzers Instrument, später stieg sie auf Tuba um und spielt diese auch jetzt noch im Auswahlchor der Oldenburgischen Landeskirche. 1999 legte Herzer die D-Prüfung als Posaunenchorleiterin ab und 2005 die C-Prüfung für nebenberufliche Kirchenmusiker.

Nachwuchs wird ebenfalls an der Trompete, Tenorhorn, Posaune, Bariton und Tuba ausgebildet. Drei Jungbläser befinden sich zur Zeit in der Ausbildung und „die zünden sich gegenseitig an und motivieren sich, das ist toll“, berichtet Herzer.