WüSTING - Oldenburger, die Projekte in China realisieren wollen, sind nicht gerade vom Erfolg verwöhnt, wie der Ausgang der China-Initiative von Oberbürgermeister Gerd Schwandner bewiesen hat. Ganz anders die Wüstinger Künstlerin Insa Winkler, deren Vertriebenendenkmal für die Stadt nach einer Endlos-Debatte zwischen den Parteien im November 2008 endgültig abgelehnt wurde: Stattdessen ist es nun im Land der globalen Hoffnungen und Unternehmer-Träume entstanden – nämlich in China.
Die Arbeit sei von einem riesigen Park in Ordos, einem Kunstzentrum mit Museum, angekauft worden, berichtet die Künstlerin. Über die Finanzierung könne sie nichts sagen, da das Projekt noch nicht abgeschlossen sei.
Die Stadt Ordos, in der rund 1,4 Millionen Menschen leben, liegt in der Inneren Mongolei im Norden der Volksrepublik China. Den Entwurf für das Denkmal hatte die 49-Jährige im Jahr 2008 bei einem Künstler-Symposion gezeigt und damit „großes Interesse“ erregt.
Äußerlich hat sich an dem Entwurf, den Insa Winkler ja schon für Oldenburg „neutralisieren musste“, wenig geändert. Und auch thematisch sei es passend für ein Land, in dem überall Städte aus dem Boden gestampft werden. Flucht und Vertreibung, Verwurzelung und Entwurzelung seien ein generelles, kollektives und weltweites Thema, mit dem sie sich schon seit 20 Jahren beschäftige, sagt sie. Die Arbeit sei längst „über die Dimensionen des Anlasses hinausgewachsen“. Verwurzelung und Entwurzelung sieht sie „als Urprinzip für Vertreibung und Integration“. In ihrer Arbeit steht die Wurzel für das Leben schlechthin.
Dass ihre künstlerische Arbeit nun doch realisiert werden konnte, freut die 49-Jährige sehr. Zumal ihr die leidige Debatte in Oldenburg „höchst unangenehme“ Beschimpfungen beschert habe. „Ich bin froh, dass das vorbei ist“, sagt Insa Winkler und ist ebenso froh, dass sie international tätig ist.
Mit ihren Plastiken und Installationen, Performances und Land-Art-Projekten hat die Künstlerin bereits an zahlreichen Ausstellungen in Europa, Vorderasien und Amerika teilgenommen. Müsste sie sich ausschließlich in der Region von ihrer Arbeit ernähren, sagt die Huderin, „wäre ich schon verhungert“.
Und der Dialog mit dem Reich der Mitte geht offenbar weiter: Im Sommer will sich Insa Winkler an einem chinesisch-europäischen Projekt beteiligen.
