WüSTING - Als Hermen Heynemann im Jahr 1552 den Stammhof in Holler Neuenwege gegründet hatte, legte er einen Hofgraben an, mit Zugbrücke. „Es war der einzige Hof weit und breit, da mussten sich die Bewohner vor umherziehenden Plünderern schützen“, erklärt der Heimatforscher Siegfried Hoffmann. Heute, 460 Jahre später, hat die Hofstelle längst keine Zugbrücke mehr und auch keinen Graben. Und der Nachname der Familie, die in 14. Generation auf dem Hof lebt, wird jetzt anders geschrieben – Heinemann.

Die Hofstelle war in einer Zeit entstanden, in der das Leben der Menschen noch einem ganz anderen Rhythmus folgte. Sie hat ihr Gesicht mit den Jahren oft verändert. Auch die Gebäude wurden schon mehrfach neu aufgebaut. Zuletzt 1953 – da war das reetgedeckte Bauernhaus mitsamt den Ställen bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Ein Blitzschlag hatte das Dach entzündet. „Hier war gar nichts mehr, das musste komplett neu aufgebaut werden“, erzählt Monika Heinemann heute. Es waren ihre Schwiegereltern, Heino und Hilda Heinemann, die die Hofstelle wieder errichten ließen.

Heute ist der Hof Heinemann modern ausgerichtet, mit Milchwirtschaft, Hähnchenmastaufzucht und einer Biogasanlage. Angefangen hatte Hermen Heynemann 1552 mit einigen wenigen Tieren, ohne technische Errungenschaften und mit unvorstellbar harter Arbeit.

Heynemann war Klostermeyer, also Verwalter auf dem Bornhorster Klosterhof. Der Mann habe sich nach Siedlungsmöglichkeiten in der Klostermark umgesehen, vermutet Siegfried Hoffmann, der Heimatforscher. „Er wollte wohl selbst gerne Bauer werden“, sagt Hoffmann.

Doch das Land rund um den Hof bestand nicht nur aus fruchtbarem Marschland, sondern auch aus Ödland und Geest. Weiter südlich erstreckte sich weites Moor- und Heideland. Zwar gestattete ihm das Kloster Blankenburg, sein Vieh auf dem Moor weiden zu lassen. Aber ausreichend für eine ganze Herde war das nicht. Im 17. Jahrhundert hatte Heynemann einen Viehbestand von zwei Pferden mit Fohlen, einer Handvoll Kühen – mehr als sechs werden es wohl nicht gewesen sein, meint Hoffmann – dazu Jungvieh und etliche Schweine.

Mit seinen beiden Pferden verrichtete er die gesamte Arbeit auf dem Hof und drum herum. Denn den Hof zu bewirtschaften und das Ödland zu kultivieren waren nicht Heynemanns einzige Aufgaben. Er musste auch sogenannte Hand- und Spanndienste für das Kloster leisten. Eine seiner Aufgaben werde darin bestanden haben, meint Hoffmann, die Entwässerungsgräben zu säubern, damit das Wasser stets abfließen kann. Auch für diese Arbeit hatte er vermutlich nur seinen Pferdewagen und einen Spaten.

Die Gräben sauber zu halten war auch für Heynemanns Hof wichtig, denn er war von Überflutung bedroht. Vom erhöhten Geestrücken floss das Wasser ebenso in Richtung Heynemanns Hof wie von der Hunte, die nur einige hundert Meter weit entfernt fließt.

„Mit dem Wasser hatten sie immer zu kämpfen“, berichtet Monika Heinemann. „Man kann sich gar nicht vorstellen, was das für ein Leben war hier im 16. Jahrhundert“, sagt sie.

Vor allem während der Herbst- und Frühjahrsstürme sei der Hof häufig überflutet gewesen, erklärt der Heimatforscher Hoffmann. Der Deich sei nicht mehr als mannshoch gewesen, das Wasser habe den Hof von beiden Seiten bedroht, von Geest und Hunte. Der Kampf gegen das Wasser beschäftigte die Familie immer. Deswegen hatte sie sich dem Schutz vor Hochwasser verschrieben und an Deich- und Sielbau beteiligt.

Hier ist auch Heino Heinemann zu erwähnen, der Vater von Dirk Heinemann. Heino hatte eine verantwortliche Stelle beim 1. Oldenburger Deichband. Weil die Deiche längst ausgebaut wurden, steht der Hof Heinemann heute im Trockenen.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales