WüSTING - Der alte Lanz Bulldog schnaubt und schnauft. Er pustet schwarzen Rauch aus seinem Auspuff, der Motor röhrt laut auf. 71 Jahre ist der Trecker bereits alt, doch er gibt alles. Knatternd zieht der Oldtimer beim „Traktor-Pulling“ der Treckerfreunde Wöschenland am Sonntag den 13,8 Tonnen schweren Bremswagen „Blue Fighter“ hinter sich her. Doch der Koloss hat den längeren Atem: Deutlich vor der Ziellinie beugt sich der alte Lanz ein letztes Mal auf, die Vorderräder stehen in der Luft, dann gibt der Traktor sich dem „Blue Fighter“ geschlagen.
Rainer Punke aus Oberhausen hatte Erbarmen mit seinem alten Trecker. „Geschickte Fahrer hören rechtzeitig auf, damit der Traktor nicht beschädigt wird“, weiß der 46-Jährige. Er gehört zum Organisationsteam der Treckerfreunde Wöschenland und hat in diesem Jahr mit drei Oldtimern am „Pulling“ teilgenommen. Insgesamt 110 Teilnehmer waren in vier Oldtimer- und sechs Gewichtsklassen dabei – alle mit dem Ziel, den tonnenschweren, blauen Bremswagen von Hermann Behrens aus Apen 100 Meter weit zu ziehen und so einen „Full Pull“ zu schaffen.
Dies gelang jedoch nur wenigen. „Das liegt am Regen. Auf dem Acker herrschen schwierige Verhältnisse“, erklärte Uwe Schlötelburg, der 2. Vorsitzende der Treckerfreunde Wöschenland. Trotz des schlechten Wetters fanden sich nach Veranstalterangaben rund 1000 Zuschauer zum 3. „Traktor-Pulling“ auf einem Feld in Wüsting-Grummersort ein, das Heinz-Dieter Mönnich zur Verfügung stellte. Als Rahmenprogramm bekamen sie eine Hüpfburg und eine Riesensandkiste für Kinder sowie Essens- und Getränkestände geboten. „Es ist faszinierend, wenn sich ganz normale Traktoren, die sonst auf dem Feld im Einsatz sind, in solch einem Wettkampf messen“, war Organisator Uwe Schlötelburg begeistert.
Ein abruptes Ende nahm das „Traktor-Pulling“ jedoch am Sonntagabend. Kurz bevor alle Klassen und Teilnehmer durch waren, setzte heftiger Regen ein und die Veranstaltung wurde abgebrochen. „Das Wetter lässt sich nicht ändern. Wir sind mit dem Verlauf in diesem Jahr insgesamt dennoch sehr zufrieden“, sagten Uwe Schlötelburg und Heiko Janßen, der 1. Vorsitzende der Treckerfreunde.
Zufrieden war auch Rainer Punke, obwohl er es mit seinem Lanz Bulldog nicht ins Ziel geschafft hatte: „Das gelingt Oldtimern sowieso nie. Es geht mir in erster Linie um den Spaß an der Freude.“ Ein gewisser Ehrgeiz sei jedoch auch dabei: „Vor so vielen Zuschauern will man natürlich schon möglichst weit kommen“, gibt der Treckerfreund aus Oberhausen zu. Wie weit er genau gekommen ist, hat er jedoch gar nicht mitbekommen: „Während der Fahrt ist man zu konzentriert, horcht in seinen Trecker hinein, damit er die Belastung auch überlebt.“
