Scheeßel - Matschige Zeltplätze, Schlammlöcher auf den Wegen, überschwemmte Parkplätze: Das 17. Hurricane-Festival in Scheeßel machte seinem Namen alle Ehre und begann mit einem Unwetter. Bis zum Sonntag verwandelten teils heftige Regenschauer das gesamte Gelände in eine Schlammwüste, die die wenigen sonnigen Stunden nicht zu trocknen vermochten.
Während am letzten Festival-Tag der britische Sänger Frank Turner, Techno-DJ Paul Kalkbrenner und die Alternative-Rocker von Queens of the Stone Age die Veranstaltung ausklingen ließen, tanzten die 73 000 Musikfans auf dem durchgeweichten Boden.
Rund 600 Tonnen Schotter mussten auf überschwemmte Rettungswege geschüttet werden, etwa 1400 Kubikmeter Rindenmulch sollten das Einsinken im Schlamm verhindern. „Ich denke, dass die Wege für die Verhältnisse gut zu begehen sind“, sagte Festivalleiter Jasper Barendregt am Sonntagnachmittag.
An Regen gewöhnt
Doch nicht nur der Veranstalter hatte sich vorbereitet: Die zumeist jungen Festival-Besucher feierten mit Regenjacken und Gummistiefeln ausgestattet zur Musik von rund 100 Bands. Schlechtes Wetter ist beim Hurricane nichts Neues. Höhepunkte der ersten beiden Tage waren Rammsteins skurrile Feuer-Show am Freitagabend sowie am Sonnabend die Auftritte der britischen Rocker von Kasabian und der Hamburger von Deichkind.
Die zahlreichen Helfer hatten alle Hände voll zu tun. „Wir waren gut vorbereitet, doch dann kam alles ganz anders“, sagte Heiner van der Werp, Sprecher der Polizei Rotenburg. Zu den 20 Hektar, um die das Gelände ohnehin vergrößert worden war, hätten kurzfristig weitere Flächen angemietet werden müssen, sagte Barendregt. Zudem wurden Camping- zu Parkplätzen umfunktioniert.
47 Taschendiebstähle wurden laut van der Werp angezeigt – ähnlich viele wie in den Jahren zuvor. Meistens hätten die Diebe das Gedränge vor den Bühnen genutzt. Dazu gab es 18 Körperverletzungen. „Bei einem zünftigen Schützenfest haben wir das auch“, erklärte der Polizeisprecher.
Etwas mehr hatten die Rettungskräfte zu tun. Rund 2500 Hilfeleistungen gab es nach Angaben des leitenden Notarztes, Friedrich-Wilhelm Caliebe. 136 Personen mussten ins Krankenhaus, zwei Knochenbrüche sogar operiert werden. Die Feuerwehr musste ein Wohnmobil sowie sechs Dixie-Klos löschen. Außergewöhnlich ist die Bilanz aller Beteiligten zufolge nicht. „Es macht uns schon ein bisschen stolz, dass es immer so unglaublich ruhig und friedlich ist“, sagte Veranstalter Jens Koopmann.
Traktoren befreien Autos
Für den Abend wurden weitere Vorkehrungen getroffen. „Einige Parkplätze trocknen nur sehr langsam“, meinte Barendregt. Die Folge: festgefahrene Autos. „Wir werden jedem helfen“, versprach der Festivalleiter, der zahlreiche Traktoren organisiert hatte, um die Abreisenden aus ihrer Misere zu befreien.
