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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geburtstag: Zeit der provokanten Unarten

15.02.2013

Oldenburg /Dangast Diese „Unart“, wie es der Bildhauer mit kokettem Augenzwinkern nennt, ist 3,20 Meter hoch und 4,5 Tonnen schwer. Und sie rief 1984 helle Empörung hervor. Dass seine Phallus-Skulptur aus Granit am Dangaster Strand eine Provokation sein würde, hatte der Bildhauer Eckart Grenzer geahnt, mit solchem Aufruhr und solchem medialen Interesse aber nicht gerechnet.

Skulpturengarten

Eckart Grenzer stammt aus einer alten Steinmetz-Familie. Der Betrieb in Oldenburg war 1944 von seinem Großvater gegründet worden und wird heute von seinem Sohn weitergeführt.

Auf dem Gelände der Firma befindet sich ein Skulpturengarten, der mit Grenzers Arbeiten gefüllt und öffentlich zugänglich ist.

Anatols „Traumschiff Tante Olga“ wurde nach der Dangaster Kurhaus-Wirtin benannt.

Längst haben sich die Wogen geglättet, ist der „Phallus“ – übrigens der griechischen Mythologe folgend als verbindender „Grenz-Stein“ zwischen dem weiblichen Meer und dem männlichen Land konzipiert – aus Dangast nicht mehr wegzudenken. Jede Zeit habe ihre eigene Philosophie, sagt Grenzer versonnen und mit wie immer leicht krächzender Stimme, die er seiner Steinstaub-Lunge verdankt. Aber für die Zeit damals sei es richtig gewesen.

Gelernter Steinmetz

Die Zeit damals war eine unruhige, geprägt von künstlerischem Aufbruch und spektakulären Aktionen, gepaart mit Strand-Partys bis in die Morgenstunden und von vielen skeptisch beäugt. Damals war Grenzer am Jadebusen den Künstlern Joseph Beuys und Anatol begegnet, später gesellte sich „Kaiser“ Butjatha dazu. 1975, vor genau 38 Jahren, nämlich zum Geburtstag von Eckart Grenzer, riefen sie die „Freie Akademie Oldenburg“ aus. So erfolgreich waren die rebellischen Künstler, dass sie 1977 eine Einladung zur Kasseler Documenta erhielten, der sie mit Anatols selbst gebautem „Traumschiff Tante Olga“ folgten – mit dem Schleppkahn von Dangast bis nach Kassel.

Fast unbemerkt hatte sich Eckart Grenzer vom Handwerk des Steinmetzes entfernt und war als Schüler von Beuys und Anatol zum Bildhauer avanciert. Triebfeder war stets seine unstillbare Neugier, die ihn nach interessanten Menschen und fremden Ländern suchen ließ. Mit seinem VW-Bus sei er einst nach Indien gereist, erinnert er sich.

Das Datum, an dem sich die „Freie Akademie Oldenburg“ auflöste, vermag Grenzer nicht mehr zu nennen. Erinnerungen am Dangaster Strand vor dem Alten Kurhaus aber sind geblieben – Anatols Jade, Butjathas Thron und eben Grenzers Phallus.

Er hoffe nicht, sagt er, dass sein Name ausschließlich mit diesem Kunstobjekt in Verbindung gebracht werde, und verweist auf die vielen Arbeiten im öffentlichen Raum, die ebenfalls von ihm stammen: die „Eis-Mann-Frau“ im Vareler Hafen etwa, die „Art-Menschen“ vor dem Dammer Rathaus, der „Friesendom“ in Dangast – ein Sturmflut-Mahnmal, dessen Glocke ab Windstärke 10 zu läuten anfängt –, oder das „Tor zum Watt“ (ebenfalls in Dangast). Selbst in Königsberg (Bayern) stehen Grenzers Arbeiten.

Anruf von Anatol

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Noch immer hat er im Winter Ideen, die er in wärmeren Monaten umsetzt. Für ein bereits fertiggestelltes Modell der „goldenen Linie“ zwischen Friesland und Ostfriesland plus Deichgraf sucht er noch einen passenden Ort und Geldgeber.

Und wenn er an diesem Freitag 70 Jahre als wird, erwartet er den Anruf von Anatol, mit dem er noch befreundet ist. Ihm gratulierte er am 21. Januar zum 83. Geburtstag. Am Telefon könnten sie sich mal wieder an unruhige Zeiten erinnern – an Tante Olga oder so manche Unart.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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