Ganderkesee/Bremen - Musik, so findet Professor Thomas Albert, habe mitunter „Botschafterfunktion“. Zum Beispiel um 1600 sei das so gewesen, als eine „Musik von höchster Expressivität, die auch heute noch bestürzend modern wirkt“, eine veränderte Gefühlslage beschrieb – und von Venedig ausgehend „über die Alpen in den Norden rutschte“. Ein bisschen von der „Botschaft“ wird am Sonntag, 6. September, 17 Uhr, durch hochkarätige Interpreten nach Ganderkesee gebracht – beim Schlusskonzert des Arp-Schnitger-Festivals 2015 in der Cyprian- und Corneliuskirche.

Das Festival ist wieder Teil des Musikfestes Bremen, dessen 26. Auflage vom 29. August bis zum 19. September läuft. Mehr als 35 Einzelveranstaltungen werde es geben, kündigte Albert als Intendant des Festes am Montag bei einem Pressegespräch an.

„Cantiones scarae“ ist das Schlusskonzert in Ganderkesee überschrieben. Die Veranstaltung stehe ganz im Zeichen von Psalmen und geistlichen Gesängen von Claudio Monteverdi und dessen Zeitgenossen.

Interpreten sind die sechs Mitglieder des italienischen Vokalensembles La Compagnia del Madrigale. Für ausgewählte Stücke werden sie dabei vom italienischen Organisten Luca Guglielmi an der Arp-Schnitger-Orgel unterstützt. Er wird ferner Orgel-Solowerke von Girolamo Frescobaldi, Jakob Froberger, Franz Tunder und Heinrich Scheidemann präsentieren.

Albert unterstrich den besonderen künstlerischen Stellenwert des Konzertes. „Psalmen und Mariengesänge aus dem Markusdom werden die Zuhörer in die Atmosphäre Venedigs zur Zeit Claudio Monteverdis versetzen.“ Die dortige Kirchenmusik habe damals Bewunderer aus ganz Europa angezogen – wie etwa Heinrich Schütz, der 1609 für ein mehrjähriges Studium in die Lagunenstadt gereist war.

„Nach der tollen Resonanz auf unsere Musikfest-Konzerte in den vergangenen Jahren war es für uns keine Frage, Ganderkesee erneut als Spielort in unser Arp-Schnitger-Festival zu integrieren“, sagte der Fest-Intendant. Mit seiner Orgel von 1699, mit dem Kirchenraum und mit diesem Publikum sei Ganderkesee „nicht nur geschätzter Vorort“, sondern „Hauptstadt“ für interessierte Bremer.

Durch einen „sehr substanziellen Beitrag“ (Albert) wird das Festival wieder durch die EWE unterstützt. Der Freundeskreis Haus Müller lädt Interpreten, Veranstalter und Interessiere im Anschluss zu einem Empfang ein.