ZETEL - „Kreativ war ich schon immer. Ich habe zum Beispiel Lampen gebastelt und mich viele Jahre mit Seidenmalerei beschäftigt. Aber gemalt habe ich vorher noch nie.“ Das sagt Waltraud Schulze aus Zetel. Mittlerweile ist sie schon seit fast sechs Jahren Mitglied in der Malgruppe „Paletta“, und fünf ihrer Werke mit Acrylfarben auf Leinwand sind derzeit in der Ausstellung der Malgruppe im Vereenshuus Neuenburg zu sehen.
Den Anstoß zur Malerei haben ihre Kinder ihr gegeben: Sie schenkten ihr 2005 einen Malkursus bei der Künstlerin Sonja Wachter in Neuenburg. Schnell kamen ihr im Kursus nicht nur die Stunden – auch der ganze Kursus zu kurz vor. Als Lisa Junker, Renate Kühn und Wiebke Bruns sich dann zur Malgruppe zusammenfanden und Kyra Kleemann dafür begeistern konnten, stieß auch Waltraud Schulze schnell dazu. „Mit der Zeit sind immer mehr hinzugekommen. Es ist eine sehr tolle Gruppe, wir verstehen uns super. Wir malen alle anders, aber jeder hilft jedem. Und man kann sich auch was sagen.“ Das alles schätzt die 65-Jährige an der inzwischen 15-köpfigen Gemeinschaft.
Die Idee ihrer Kinder für das Malen kam damals nicht von ungefähr. 1993 ist Waltraud Schulzes Mann gestorben, 2004 ihr späterer Lebensgefährte. Beim Malen kommt sie zur Ruhe. „Man ist beschäftigt – und grübelt nicht so viel.“ 2009 starb dann auch noch einer ihrer Söhne an Krebs. „Das Malen gibt mir sehr viel“, sagt Waltraud Schulze. „Es hat mir in der schweren Zeit viel gegeben. Auch die Gruppe hat sehr geholfen. Man hat etwas, wo man hingehen kann, wo man reden kann. Das macht sehr viel aus.“
Gebürtig aus Cäciliengroden, hat die gelernte kaufmännische Angestellte später viele Jahre in Horsten gelebt und 25 Jahre lang ein Geschäft in Sande geleitet, aus dem sie sich 2000 zurückzog. Damals fehlte es ihr oft an Zeit für Hobbys, sie hat fünf Kinder großgezogen. „Jetzt freuen sich die Kinder auch, dass ich malen gehe.“
Waltraud Schulze malt abstrakt, mit Acryl. „Aquarell ist nicht so mein Ding“, sagt sie. Sie bevorzugt kräftige, leuchtende Farben, am liebsten Gelb, Orange und Rot – „obwohl Blau eigentlich meine Lieblingsfarbe war.“ Es gibt aber auch Zeiten, in denen sie „keinen Dreh“ zum Malen findet. „Da mache ich mir keinen Druck“, erklärt sie.
Nur zu zeichnen, das traut sie sich bislang nicht. Da würde angeblich ihr neunjähriger Enkel schon mit dem Kopf schütteln.
Eines ihrer Werke hängt in der Praxis ihres Hausarztes, ein anderes in den Räumen ihres Zahnarztes. Den Himmel an der Decke des Modellbau-Ladens ihres Sohnes malte sie auch, und Bekannte von ihr besitzen ebenfalls Bilder von ihr. Auf Bestellung hat sie bisher aber nur einmal gearbeitet. „Das mache ich nicht mehr“, betont sie. „Ich male lieber aus freien Stücken.“
