ZETEL - Bei einem Kinobesuch freut sich der Besucher auf einen netten Film in angenehmer Atmosphäre, Getränke und Knabbereien. „Und dauernd knistert hinter mir einer mit Bonbonpapier“ dieser alte Spruch fällt sicherlich so Manchem ein. Zu einem richtigen Kinoerlebnis gehören die Kratzer und der Staub auf dem Filmstreifen ebenso, wie das Knistern des Tons. Zumindest damals, als das Kino noch Lichtspieltheater hieß. Heute, im digitalen Zeitalter, sind Bild und Ton lupenrein, geradezu steril – viele Besucher sehnen sich nach dem Knistern vergangener Tage.
Wieder eintauchen in die alten Zeiten können die Besucher beim „Zeli -Zeteler Lichtspiele“. Zum Erhalt der historischen Filmvorführstätte wurde dieser Verein im Mai gegründet. Neben dem Kinosaal bilden zwei Projektoren aus den 50er Jahren das Herzstück des Kinos.
Und die sind erstaunlich modern, mit Xenon-Kurzbogenlampen ausgestattet. Aber so einfach einen Stecker in die Steckdose stecken und schon geht es los – ist das nicht. Nebenan steht ein elektrischer Gleichrichter, der den normalen Haushaltsstrom in Gleichspannung umwandelt, dann erst laufen die Geräte.
Der eigentliche Film befindet sich auf einem Celluloidband, für eine Filmsekunde werden 24 Einzelbilder benötigt. Das kilometerlange Band ist auf einer kiloschweren Rolle aufgespult. Diese muss auf die Maschine gehievt werden, dann wird der Anfang des Filmbandes eingefädelt. Über mehrere Rollen geht es vorbei an dem hellen Lichtstrahl, der das Bild auf die Leinwand wirft. Auch der Ton ist auf dem Filmband in Form von Lichtspuren hinterlegt. Zur Klangverbesserung wurden die Zeteler Geräte auf ein Lasersystem zur Tonabtastung umgerüstet. Um diese Technik funktionstüchtig zu halten, werden elektrische Spulen schon mal von Hand gewickelt.
Mit viel Herzblut ermöglichen Rolf Janßen und Hinrich Frerichs den Zetelern das Filmvergnügen im Ort. Von ihrem Reich sehen die Zuschauer nur die kleinen Fenster im hinteren Bereich des Saales. Durch diese haben die Vorführer das Geschehen im Blick und regeln den Ablauf. Viele Knöpfe müssen gedrückt werden, bis es richtig los geht.
Jetzt kann sich der Vorführer aber nicht dem Filmvergnügen hingeben, die Arbeit geht weiter. Die nächste Filmspule kommt auf die zweite Maschine und kurz vorm Ende der gerade laufenden Filmrolle heißt es den Startknopf der nächsten Maschine zu drücken. Dieser Übergang bleibt den Besuchern meist verborgen. Nach der Vorstellung werden die Filme für die nächste Vorführung zurückgespult.
Dieser Tage ist Jupp Pfitzner einmal kurzfristig als Filmvorführer eingesprungen. Der 76-Jährige hatte diese Maschinen zum letzten Mal als junger Mann im Jahre 1957 bedient. Als Elektromechaniker und Freund alter Technik half er den Zeteler Filmfreunden jedoch schon oft bei Reparaturen und kennt die sensiblen Geräte genau.
