Berne - Nach zwei Jahrzehnten in der Kulturmühle sei man quasi zusammen alt geworden – auch wenn „alt“ natürlich nicht auf Sally Williams zutreffe, scherzte Vorstandsmitglied Wolfgang Focke bei der Ankündigung des Travestiestars.
Dieses Mal kam die Diva nicht allein, sondern mit Kollegin Sissy, mit der sie nach zehn Jahren das gemeinsame Bühnencomeback feierte. Eine Show der Jubiläen werde es, kündigte Sally an. Vor 30 Jahren hatten sich die beiden Travestiestars kennengelernt und tourten bis zu Sissys Umzug nach Magdeburg gemeinsam durch die Lande. Das aktuelle Bremer Musical „Diva – Von nun an geht’s bergab“ führte sie wieder zusammen.
Wie viel Spaß diese Zusammenarbeit machen kann, bewiesen beide eindrucksvoll am Freitag, wo sie das Publikum mit frechen Sprüchen sofort in ihren Bann oder direkt auf die Bühne zogen. So wie Dieter und Uwe, die zwar leider in festen Händen waren, einen flotten „Lady Bump“ mit den Stars aber trotzdem nicht ablehnen konnten.
Grund zur Eifersucht lieferte Sissy ihrem Mann, der per Handy zugeschaltet war, durch ihre Flirtattacken auf Zuschauer Tim. Dieser hatte aus Mangel an anderen geeigneten Kandidaten in den vorderen Reihen keine Chance, sich den Annäherungsversuchen zu entziehen; er durfte Sissy sogar das Kleid öffnen.
Egal, ob als Abba, Mireille Mathieu oder „überfahrenes, grünes Muppet“ – allein die vielen, mal mehr und mal weniger glamourösen Outfits waren eine Schau für sich. Während Sally die Elegantere des Duos mimte, überraschte Sissy kurz vor dem Ende mit ihrer männlichen Seite, um als Howard Carpendale dessen geradezu akrobatisches Comeback mit Tanzeinlagen auf einer Zuschauerstuhllehne oder mit einem Spagat zu feiern – wozu der echte „Howie“ wahrscheinlich gar nicht in der Lage ist.
Alles andere als abgedroschene Routine war der Zickenkrieg, mit dem die beiden Diven in ihren unzähligen schrillen Kostümen, flotten Sprüchen, mit alten und neuen Songs, Parodien, Comedy und immer wieder sportlichen Tanzeinlagen ihre Zuschauer begeisterten. Der dreistündige, amüsante Abend verflog viel zu schnell und machte deshalb Vorfreude auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr.
