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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Zwei Jahrhundertkünstler als ziemlich beste Freunde

25.07.2015

Münster Vor hundert Jahren begegneten sich Picasso (1881–1973) und Cocteau (1889–1963) zum ersten Mal. Dass sie „knapp 50 Jahre Freunde“ blieben, feiert das Picassomuseum in Münster jetzt mit einer dialogischen Ausstellung. Direktor Markus Müller muss jedoch einräumen, dass der spanische Maler nach eigenem Bekunden „nie Freunde“ gehabt hat, „sondern nur Geliebte“. Cocteau hatte demgegenüber nichts mit Frauen im Sinn, ebenso wenig wie mit Politik.

Kein Duell

Die Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ ist bis zum ... im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster zu sehen. Dazu ist ein deutsch-französischer Katalog mit 340 Abbildungen erschienen (35 Euro).

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Picasso indessen war bekennender Antifaschist, stellte seine Kunst in den Dienst der Sache, schloss sich zeitweise sogar den Kommunisten an und unterstützte die Résistance im Kampf gegen die Deutschen. Cocteau wiederum mochte die Deutschen, verstand, sprach und schrieb sogar deren Sprache und unterhielt enge Bande zu Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker.

Als der vom „Führer“ zutiefst verabscheute Picasso in ein Essener Arbeitslager deportiert zu werden drohte, ließ Cocteau präventiv seine Beziehungen spielen, und Breker bot ihm an, „über eine Sonderleitung mit ihm in Berlin zu telefonierten, falls Picasso etwas Ernstes zustoßen sollte“. Letztendlich wurde Picasso aber nur deshalb nicht verschleppt, weil er mit über 50 Jahren für einen Arbeitseinsatz zu alt war.

Auch sonst gab es viel Trennendes zwischen den beiden – so viel Trennendes, dass die Freundschaft von 1927 bis 1949 wegen Picassos politischer Orientierung und seiner Annäherung an das Cocteau verschmähende Pariser Surrealistenmilieu als (gelinde ausgedrückt) „getrübt“ bezeichnet werden muss.

Aber es gab eben auch etliche Gemeinsamkeiten. Picasso und Cocteau begeisterten sich für Theater und Film, für Literatur und griechische Mythologie. Vor allem aber liebten sie das süße Leben an der Côte d’Azur, wohin sie Anfang der 50er Jahre zogen. Und dann erst die Corridas von Nîmes, Arles und Fréjus, die sie oft gemeinsam besuchten.

Müller betont, er sei darauf bedacht gewesen, dass Cocteau bei der Ausstellung in Münster nicht von einem „Determinator“ (Picasso) erdrückt wird, dass es „kein Duell“ zwischen Impulsgeber und Bewunderer und damit auch „keinen Gewinner oder Verlierer“ gibt. Müller wird wissen, warum er sich stattdessen für einen „beschwingten Dialog“ entschied. Denn gerade in der Gegenüberstellung der Werke des „Big Masters“ (Müller) und seines Epigonen wird deutlich, dass der geniale Picasso künstlerisch in einer ganz anderen Liga spielte als „Tausendsassa Cocteau“ (Müller), der sich in erster Linie als Schriftsteller und Regisseur und erst an dritter Stelle als Zeichner verstand.

Deutlich wird auch, wie sehr Cocteau, der schon sein erstes Treffen mit Picasso als „Stromschlag“ erlebte, Picassos Nähe suchte, dem Unnahbaren nacheiferte, ihn kopierte – sei es im grafischen wie im keramischen Werk, in Linienführung, Form und Farbe – und dabei doch nie dessen Leichtigkeit und Eleganz erreichte.

Ab November in Athen

Das macht die große Ausstellung, die ab November in Athen gezeigt werden wird, nicht weniger sehenswert. Schon angesichts ihres Umfangs lohnt der Besuch. Müller weiß selber nicht, ob es 400 oder mehr Werke sind – Grafiken, Zeichnungen und Künstlerbücher.

Die Cocteaus entstammen der Privatsammlung des griechischen Diplomaten Ioannis Kontaxopoulos, der 50 Original-Zeichnungen von Cocteau als Dauerleihgabe in Münster zu lassen versprochen hat.

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