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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kriminalität In Der Kunst: Die sind alle Verbrecher

10.04.2015

München /Oldenburg Karl May saß wegen Amtsanmaßung, Betrugs und Diebstahls im Gefängnis. Carlo Gesualdo, der Schöpfer frommer Motetten, schlachtete seine Frau und gleich auch noch ihren Geliebten ab. Der Bildhauer Veit Stoß fälschte Urkunden. Hans Fallada war nicht nur ein Säufer, sondern auch ein Dieb. Der Japaner Norio Nagayama beging mehrere Morde und schrieb bis zu seiner Hinrichtung vielbeachtete Bücher.

Die Männer sind alle Verbrecher, säuselte mal ein Schlager. Stimmt aber nicht. Auch Frauen können bei Verbrechen mithalten. Anne Perry, die damals Juliet Marion Hulme hieß, erschlug als Mädchen mit einem Ziegelstein ihre Mutter.

Späte Reue und Erfolg

„Schlimme Finger“ heißt das Buch, das Rolf-Bernhard Essig mit seiner Frau Gudrun Schury über Maler, Komponisten, Autoren und Musiker verfasst hat, die Verbrechen begingen – oder vom Straftäter zum bewunderten Künstler wurden.

Sind Genies eher Verbrecher als normale Menschen?

Nein, sagt Essig im Gespräch, „die sind – empirisch gesehen – nicht anders als andere Menschen. Ihre Verbrechen erregen nur mehr Aufmerksamkeit.“ Aber es sei eben auch ein herrliches Klischee: „Der besondere Künstler, der dann auch noch zum Verbrecher wird!“ Mehr Image geht nicht. Talkshows warten nur auf solche Sensationen. War es nicht Burkhard Driest, Bankräuber und Autor, der mit einer faszinierten Romy Schneider flirtete?

Die meisten Künstler, weiß Essig, werden nie kriminell. Edelfeder Thomas Mann führte zum Beispiel ein unauffälliges, bürgerliches, um nicht zu sagen langweiliges Leben.

Essig hat sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Künstler und Verbrechen befasst. Schon lange betreut er neben seiner Schriftstellerei eine Schreibgruppe von jugendlichen Straftätern.

„Denen sage ich immer, nehmt euch ein Beispiel an Karl May: Man kann durch Schreiben resozialisiert werden.“ Der Sachse wurde nach seiner Haftzeit als Autor von „Winnetou“ und Co. berühmt und reich. Krimiautorin Anne Perry verzeichnet Millionenauflagen. Späte Reue und Kreativität können zum Erfolg führen, meint Essig.

Und was ist mit den Massenmördern, die sich auch als Künstler versucht haben? Essig hat sie im Buch vernachlässigt: „Ich bin froh, dass es weder der Pinselquäler Hitler noch der schreibende Stalin zu besonderer künstlerischer Reife gebracht haben!“

Pumpgun zücken

Zum Glück. Denn wie sollte man mit einem wunderbaren Künstler umgehen, der nicht nur krumme Dinger drehte, sondern Massenmorde beging? Zwar lernt man schon im ersten Semester Germanistik, das Werk vom Leben des Autors zu unterscheiden, aber lässt sich Ästhetik von Moral so einfach trennen? Essig ist sich da nicht so sicher.

Kann man frommen Gesang genießen, wenn man weiß, dass der Komponist und Kapitalverbrecher Gesualdo seine Frau erstach? „Ich komme“, gibt Essig zu, „zu keinem endgültigen Ergebnis.“ Gut, dass Georg Büchner „kein übler Typ“ war, merkt Essig an. Wie würden wir wohl den „Woyzeck“ über eine gequälte Kreatur lesen, wenn wir wüssten, dass Büchner seine Freundin misshandelt hätte?

Etwas, weiß Essig, habe sich seit Jahrhunderten bei Künstlerverbrechern kaum geändert. Die üble Kunstszene Roms mit Mord und Intrigen um das Jahr 1600 ließe sich deutlich mit der heutigen Gangsta-Rapper-Szene vergleichen. Die Gockelei sei ähnlich, das Flanieren der Angeber, die dumpfen Rituale der Männlichkeit. „Das hat mit Image zu tun, mit Marktwert. Damals zückte man das Schwert, heute die Pumpgun.“ Künstler wissen eben, was von ihnen erwartet wird.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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