Elsfleth - Seine vier hölzernen „Babys“ hat Alexandre Zindel am Sonntagnachmittag in der Elsflether St.-Nicolai-Kirche ganz ordentlich nebeneinander aufgereiht – in der folgenden Stunde bringt der Künstler eines nach dem anderen zum Klingen. Seine „Babys“, das sind vier Autoharps oder wie sie in Deutschland genannt wurden „Volkszithern“. Wie Geschwister, sind sich die Vier ähnlich, aber ganz unterschiedlich gestimmt.

Die wenigen Konzertbesucher erleben mit Alexandre Zindel ein ganz besonderes Instrument, das wunderbar mit seiner weichen Tenorstimme harmoniert. Gleichzeitig bietet der Künstler seinem Publikum auch eine kurzweilige Lektion in Sachen Instrumentenkunde und kleine Ausflüge in die musikalische Historie. Eine Autoharp ist zwar eine Verwandte der Zither, gilt aber als eigenständiges Instrument mit maximal 36 Saiten. Alle Saiten werden mit Filz stummgeschaltet, außer denen, die für einen Akkord erklingen sollen.

Als erstes steht die Frage im Raum: Wer hat’s erfunden? „Zunächst glaubte man, der Amerikaner Charles F. Zimmermann hätte die Autoharp erfunden, aber die Idee einer Volkszither stammt ursprünglich vom Zitherbauer Karl August Gütter, der 1883 das Patent in England anmeldete“, weiß Zindel. Die Autoharp wurde vor allem in der amerikanischen Folkloreszene und Country-Musik bekannt. Country-Sängerinnen wie Dolly Parton, Emmylou Harris, Sheryl Crow oder June Carter, die Ehefrau des verstorbenen Johnny Cash, wussten die Klänge der Autoharp zu nutzen.

Alexandre Zindel stimmt seinen musikalischen Reigen zu Beginn des Konzerts mit der Jahreszeit ab. Passend zu allen Frühlingsgefühlen versichert er „kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, wie heimliche Liebe von der keiner nichts weiß.“ Cat Stevens großer Hit „Morning has broken“ ist eigentlich eine Melodie aus der schottischen Folklore des 18. Jahrhunderts, von seiner schlichten Schönheit hat dieser Song auch im 21. Jahrhundert nichts verloren. Das Repertoire Zindels zeigt, dass die Autoharp für jedes musikalische Genre geeignet ist, egal ob es Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“, die lustigen Chansons von Charles Trenet, Stephen Fosters „Old folks at home“ oder Franz Schuberts „Forelle“ begleitet. Mit dem unsterblichen Rock’n Roll-Song „Blue suede schoes“ verabschiedet sich der Künstler in drei Sprachen nach langem Applaus seiner neuen Fans.