Nordenham - Als Lemmy Kilmister, der Frontmann der Gruppe Motörhead, Ende 2015 gestorben ist, da hat Olaf Reimers noch einmal „No Sleep Till Hammersmith“ rausgekramt, das erste Live-Album der britischen Metalrocker. „Aber das mache ich eigentlich ziemlich selten“, sagt der 48-Jährige. Das Herumstöbern in der musikalischen Vergangenheit ist nicht sein Ding.
Auf Erfolgskurs
Olaf Reimers ist musikalisch seit vielen Jahren ohnehin in einem anderen Genre unterwegs. Electronic Body Music oder kurz EBM nennt sich die Musikrichtung, die jenseits des Mainstreams eine eigene Fanszene bedient. Und in dieser Szene ist Olaf Reimers mit seiner Band Tyske Ludder schon seit langer Zeit auf Erfolgskurs. Sieben Alben haben die Nordenhamer inzwischen veröffentlicht. Das jüngste heißt „Evolution“ und kam im Oktober 2015 heraus. Außerdem arbeitet Olaf Reimers zurzeit am zweiten Album für sein zweites Projekt. Es heißt Harmjoy. Gemeinsam mit dem Amerikaner Dan van Hoyel veröffentlicht er unter diesem Namen Musik, die melodischer daherkommt als bei Tyske Ludder.
Wie bei vielen Musikfreunden um die 50, hat auch Olaf Reimers seine ersten Hörerfahrungen mit Hit-Samplern gemacht. Die gab’s in den 70er-Jahren zuhauf – von K-Tel zum Beispiel oder von Arcade. Abgespielt wurde die Musik auf einem Monokassettenrekorder.
Die erste Schallplatte, die sich Olaf Reimers als Jugendlicher zulegte, war von Iron Maiden und hieß „Killers“. In einem Plattenladen in Oldenburg griff der Nordenhamer zu. „Das ganze Schaufenster war mit Platten und Plakaten von Iron Maiden dekoriert. Das hat mich wohl irgendwie angesprochen.“ Olaf Reimers kaufte sich das Album. Hardrock und Heavy Metal – das war die Musik seiner frühen Jugend: AC/DC und Judas Priest zum Beispiel. „Später – so mit 15 Jahren – hatte ich mal eine Jethro-Tull-Phase. Aber das war auch ziemlich schnell wieder vorbei.“
Im Alter von 14 Jahren hat Olaf Reimers begonnen, Gitarre zu lernen. Seine erste Band hieß UTW, die Abkürzung für Unterweser. Die Musikrichtung: Fun-Punk. „Das war furchtbar, aber es hat Spaß gemacht.“
Wave war angesagt
Es folgte die Gruppe Moustache, danach kamen Educated Fools und Leaders of Men und damit der musikalische Richtungswechsel. Wave war angesagt, die Haare wurden hochgesteckt, das Schlagzeug gegen Drumcomputer ausgetauscht. Den Soundtrack für die Jugend lieferten Bands wie Joy Division, Sisters of Mercy und The Cure. Mit der Gründung von Tyske Ludder Ende der 80er-Jahre war auch bei Olaf Reimers der Schritt zur elektronischen Musik endgültig vollzogen.
Die Musik, die Olaf Reimers heute hört, läuft nicht im Radio – höchstens mal bei einigen Spartensendern im Internet. Auch das war einmal anders. Olaf Reimers kann sich noch gut an die Anfangszeiten von Bremen 4 und FFN erinnern. Bei FFN lief regelmäßig die Sendung „Grenzwellen“ mit Ecki Stieg – immer am Sonntagabend. Damals – während des Studiums – verdiente sich Olaf Reimers sein Geld als Taxifahrer. Und er hat sich immer die Sonntagabendschicht ausgesucht, „weil dann wenig los war. Man konnte in Ruhe Radio hören.“
Heute stellt sich Olaf Reimers seine Musik über Spotify zusammen. „Ich suche ganz gezielt. Viele Songs haben nicht einmal tausend Klicks.“ Mit dem, was im Mainstream-Radio läuft, kann der 48-Jährige nichts anfangen.
