Jever - „Patriot aus Jever“, „aufgeklärter Kosmopolit“, „Oldenburgischer Alexander von Humboldt“: Es gibt viele Begriffe, die den Forschungsreisenden Ulrich Jasper Seetzen be- und umschreiben. Geboren am 30. Januar 1767 in Sophiengroden im Kirchspiel Middoge als Sohn begüterter Bauern und gestorben 1811 im Jemen, gehört Seetzen zu den bekannten Jeverländern – „doch bis heute ist sein Leben und Werk nicht erschöpfend erforscht“, sagt Dr. Detlef Haberland.

Seetzen wurde als Orientreisender bekannt: 1802 brach er, finanziert vom Herzog von Gotha, zu seiner Reise in den Orient auf. Geplant war, dass er im Anschluss daran Afrika von Ost nach West auf der Äquatorlinie durchquerte. Doch dazu kam es nicht mehr. Seetzen starb 1811 im Jemen, er soll vergiftet worden sein.

Der Oldenburger Professor Haberland hat vor drei Jahren begonnen, Netzwerke zur Erforschung Seetzens zu knüpfen: Die Landesbibliothek in Oldenburg bereitet zurzeit die Herausgabe weiterer, unveröffentlichter Tagebücher Seetzens vor, 2017 sind zum 250. Geburtstag des Forschungsreisenden Symposien in Gotha und Oldenburg geplant.

Einen Überblick in Seetzens Leben und Arbeiten verschafft nun erstmals ein Sammelband, der in der Reihe Oldenburger Studien (Band 78) der Oldenburgischen Landschaft im Isensee-Verlag erschienen ist.

„Seetzen ist ein Schrecken der Wissenschaft“, sagt Haberland: Er sei so universell gebildet und interessiert gewesen, dass er die heutige wissenschaftliche Erforschung sprenge. Für das Buch „Ulrich Jasper Seetzen. Jeveraner – aufgeklärter Unternehmer – wissenschaftlicher Orientreisender“ hat Haberland deshalb mehrere Autoren mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Jeverländer ins Boot geholt.

„Die bisherige Konzentration auf Seetzens Orientalia hat dazu geführt, dass sein Werk über die Region, über Botanik, Wirtschaft und Geologie völlig vernachlässigt wurde“, meint Haberland. Und genau das will er mit dem Sammelband nachholen: „Im Jeverland war geisteswissenschaftlich im 18. Jahrhundert eine Menge los“, betont er: Seetzen sei ein Beispiel für einen universalen Forscher mit regionaler Verbundenheit.

So handeln die Beiträge im Buch nicht nur von Seetzens Forschungsreisen und seinen Tagebüchern, sondern versuchen, ihn als Person auch einzuordnen in die Zeitgeschichte und Umstände im Jeverland. Prof. Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums Jever, wo Haberland sein Buch vorstellte, hat sich etwa in ihrem Beitrag der „Jeverländischen Heimat des Ulrich Jasper Seetzen“ gewidmet, Ur-Ur-Großneffe Rolf Seetzen widmet ein Kapitel der „Familie des Arztes und Orientreisenden“.

Für Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, die die Veröffentlichung förderte, ist besonders faszinierend, wie viel Material Seetzen von seiner Reise nach Gotha übermittelt hat. Mumien, Schriften, Alltagsgegenstände – alles wurde in Kisten verpackt und per Schiff und über Land aus dem Orient versandt. Zu sehen sind sie bis heute in einem eigenen Trakt der Forschungs- und Landesbibliothek Gotha. „Ein Besuch lohnt sich“, weiß Kossendey.

Das Buch „Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811)“ von Detlef Haberland (Isensee-Verlag, ISBN 978-3-7308-1089-7) ist für 14.80 Euro im Buchhandel erhältlich.