Barßel/Bermudas - In meinem neuen Leben hier auf Bermuda herrscht jetzt Alltag. Jeden Tag Schule, Nachmittagsaktivitäten, Schularbeiten und am Wochenende Freunde und Familie treffen.
Anfang Oktober wurde ein Oktoberfest gefeiert. Ein großes Zelt wurde aufgebaut, eine Big Band hat gespielt und natürlich gab es auch typisches deutsches Essen wie Brezeln, Sauerkraut, Schnitzel, Kartoffelsalat und Bier. Das Essen war ziemlich gut, und ich habe mich schon fast wieder wie in Deutschland gefühlt. Die anderen Austauschschüler waren auch ganz begeistert, und die Brasilianerin Ana hat mir erzählt, dass das auch in Brasilien gefeiert wird. Der Unterschied zum deutschen Oktoberfest war, dass wir noch in kurzer Hose und T-Shirt hingehen konnten. Die Temperaturen bewegen sich noch um die 22 Grad.
Nur wenige Exporte
Mitte Oktober fand der America’s Cup statt, das ist ein Segelwettkampf mit sechs verschieden Teams aus den USA, Neuseeland, England, Japan, Schweden und Frankreich. Da der Wettkampf entfernt vom Land ausgetragen wurde, waren viele Boote auf dem Wasser, um das Geschehen zu beobachten. Mir kam es so vor, als ob ganz Bermuda auf dem Wasser war.
Von Bermuda wird eigentlich nur wenig exportiert, das meiste wird mit Schiffen aus den USA importiert. Da die USA viel näher an den Bermudas liegen, sind die Bermudas und das alltägliche Leben mehr amerikanisch als britisch. Geographisch gehören wir aber zu Großbritannien. Deshalb haben die meisten hier einen britischen Akzent. Es gibt auch einen bermudanischen Dialekt, doch den sprechen nicht viele, weil man den nur sehr schlecht verstehen kann. Bermuda ist multikulturell, viele kommen aus Kanada, den USA, England oder auch Bahamas und haben weitere sprachliche Einschläge mitgebracht.
Viele Bermudaner fliegen in die USA, um dort ihre Einkäufe zu erledigen. Dafür nehmen sie extra einen leeren Koffer mit. Es ist üblich, viel zu verreisen, denn die Insel ist doch nicht so groß: Von dem einem Ende zum anderen braucht man ungefähr eine Stunde, wenn man keinen Verkehr hat.
Auch für diesen Herbst hat meine Gastmutter wieder mit ihren Freunden geplant, nach New York zu fliegen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Sie hat mich sogar mitgenommen.
Der Flug nach New York hat nur ungefähr zwei Stunden gedauert. Von der Schule habe ich für die Tage frei bekommen. Von New York ging es erst einmal für zwei Tage nach New Jersey. Dort haben wir dann unsere Einkäufe erledigt. Direkt hinter unserem Hotel gab es ein großes Einkaufszentrum. Die Auswahl ist dort viel größer und preiswerter als auf Bermuda.
Am Freitag wechselten wir dann nach New York. Am Times Square gab es ziemlich viele Menschen, ich glaube so viele Menschen habe ich noch nie auf einmal gesehen. Überall gab es riesige Bildschirme an den Hochhäusern, so dass es mir trotz des späten Abends vorkam, als wäre es mitten am Tag. New York – eine Stadt, die niemals schläft.
Meine Gastmutter hat mich noch mit in eine Broadway-Show genommen. Die Musik und das Bühnenbild waren imposant, es gab den Zauberer von Oz. Wir haben, wie es sich für Touristen gehört, eine Bustour durch New York gemacht.
Alles auf chinesisch
Am aufregesten war für mich Chinatown, denn auf einmal hat man sich nicht mehr wie in New York gefühlt, sondern wie in China. Die Namen der Supermärkte waren plötzlich in chinesischen Buchstaben geschrieben und anstatt Amerikanern hat man viele Asiaten gesehen. Diese plötzliche Veränderung von Kultur und Menschen mitten in einer Stadt war wirklich spannend.
Am Sonnabend bin ich mit meiner Gastmutter auf das Empire State Building gefahren. Von dort konnte ich den Sonnenuntergang über New York beobachten. Es ist eine wunderschöne Aussicht.
